Baden-Württemberg

Krebszentren schlagen Alarm wegen voller Intensivstationen

Krankenhaus
Eine Pflegekraft geht auf einer Intensivstation über den Flur. Foto: Fabian Strauch/dpa/Symbolbild © Fabian Strauch

Heidelberg (dpa/lsw) - Die Krebszentren warnen mit Blick auf die vollen Intensivstationen eindringlich vor den negativen Folgen für Patienten mit schweren onkologischen Erkrankungen. Schon jetzt hätten zwei Drittel der befragten Kliniken keine Kapazitäten mehr, um weitere Krebspatienten aufzunehmen, wie aus einer am Dienstag in Heidelberg veröffentlichen Erhebung der Corona Task Force des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), der Deutschen Krebshilfe und der Deutschen Krebsgesellschaft hervorgeht. Im Dezember wurden 18 große universitäre Krebszentren in Deutschland befragt.

Der DKFZ-Vorstandsvorsitzende Michael Baumann sagte, bei steigenden Corona-Fallzahlen müsse man mit einem erneuten Anstieg an Patienten rechnen, die intensivmedizinisch betreut werden müssten. Die Intensivstationen könnten aber schlichtweg niemanden mehr aufnehmen. Das gelte sowohl für Corona-Patienten als auch für Menschen mit anderen schweren Erkrankungen. «Tritt dies ein, wird die Triage zum Klinikalltag», warnte der Mediziner.

Das Wort Triage stammt vom französischen Verb «trier», das «sortieren» oder «aussuchen» bedeutet. Es beschreibt eine Situation, in der Ärzte entscheiden müssen, wen sie retten und wen nicht. Der Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft, Thomas Seufferlein, sagte, man müsse sich darüber im Klaren sein, dass überfüllte Intensivstationen wegen Covid-19 zu einer ungewollten Priorisierung der zu behandelnden Patientinnen und Patienten - und damit zu einer stillen Triage - führten. Der Anteil an freien Intensivkapazitäten liege wegen der Pandemie in weiten Teilen Deutschlands bei zehn Prozent oder darunter.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte die Politik. Vorstand Eugen Brysch sagte, diese stille Triage habe vor allem auch die Politik zu verantworten. «Denn Bund und Länder haben empfohlen, auf planbare Operationen zu verzichten. Damit sind 19 Millionen Nicht-Covid-19-Patienten der Willkür vor Ort ausgesetzt. Es ist überfällig, dass der Bundestag endlich Leitlinien für diesen inhaltsleeren Begriff festlegt.» Nur die Abgeordneten des Parlaments seien demokratisch legitimiert, in einer Krisensituation über die Verteilungskriterien von Lebenschancen zu entscheiden.

Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe, appellierte an die Menschen, sich gegen Corona impfen zu lassen und sich an die Kontaktbeschränkungen zu halten. «Wir müssen die Zahl der Neuinfektionen unbedingt verringern, um alle schwerkranken Patienten adäquat versorgen zu können», mahnte er.

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