Baden-Württemberg

Kretschmann: Hatten Studierende etwas wenig im Blick

Winfried Kretschmann
Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Foto: Bernd Weißbrod/dpa © Bernd Weissbrod

Stuttgart (dpa/lsw) - Nach den ersten beiden Semestern im Corona-Lockdown und Kritik an den Auflagen für die Hochschulen hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann ein «Wahrnehmungsdefizit» eingeräumt und Studierende um Entschuldigung gebeten. Es sei ihm nach Gesprächen bewusst geworden, dass die Landespolitik die Lage der Studierenden anfangs zu wenig im Blick gehabt habe, sagte der Grünen-Politiker am Donnerstag beim sogenannten StudiGipfel, einer kleinen Gesprächsrunde mit Vertretern von Studenten und Hochschulen.

Covid-19 sei anfangs vor allem für ältere Menschen gefährlich und teils tödlich gewesen, sagte Kretschmann. Auf sie habe sich zunächst der Fokus gerichtet. «Da junge Leute in aller Regel keine schweren Krankheitsverläufe hatten, hat man sich erstmal nicht so drum gekümmert», räumte er ein. Zudem sei man der Ansicht gewesen, dass digitales Lernen bei Studierenden eher gelinge als an Schulen.

Kretschmann und Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) tauschten sich in dem Gespräch in der Stuttgarter Universität mit zwei Studierenden aus Esslingen und Mannheim aus. Auch Sabine Köster von der Psychotherapeutischen Beratungsstelle des Studentenwerks Karlsruhe und Thomas Puhl, Direktor der Mannheimer Universität, nahmen an der Gesprächsrunde teil. Im Mittelpunkt standen die Lehren aus der Pandemielage, die Probleme des mangelnden Impfstoffs und die finanziellen Probleme von Studierenden.

Vor einem Gespräch hatte die Landesstudierendenvertretung die teils prekäre Situation der angehenden Akademiker in der Corona-Krise beklagt. «Viele Studierende befinden sich weiterhin in einer schweren finanziellen Notlage», sagte Präsidiumsmitglied Andreas Bauer von der Hochschule Mannheim. «Die politische und mediale Aufmerksamkeit lag vor allem bei den Schulen und weniger bei den Studierenden.» Die wirtschaftlichen und akademischen Nachteile der Studierenden seien kaum diskutiert worden, sagte Bauer.

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