Baden-Württemberg

Kretschmann lässt sich mit Astrazeneca impfen: Härtere Auflagen angekündigt

Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann lässt sich mit Astrazeneca gegen Corona impfen
Impfung des Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann im Impfzentrum in der Stuttgarter Liederhalle gegen das Corona-Virus mit dem Impfstoff von Astrazeneca.Baden-Württemberg, 70173 Stuttgart, Deutschland Fotograf: 7aktuell.de/ Murat 7aID:25345 © 7aktuell.de | dpa/pool/Marijan M

Stuttgart (dpa/lsw) - Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat sich als erster deutscher Regierungschef gegen das Coronavirus impfen lassen. Der 72 Jahre alte Grünen-Politiker erhielt am Freitag in Stuttgart eine Spritze mit dem gerade wieder zugelassenen Impfstoff von Astrazeneca. Kretschmann wollte seine Impfung auch als Werbung verstanden wissen: «Das Zeichen soll sein: Haben Sie Vertrauen, lassen Sie sich impfen.» Astrazeneca sei ein sicherer und wirksamer Impfstoff, das habe die Europäische Arzneimittelagentur nach dem kurzzeitigen Stopp wegen der Prüfung von Nebenwirkungen bestätigt. Impfen sei die einzige Möglichkeit, die Pandemie «niederzukämpfen» und die Auflagen stärker lockern zu können.

Doch wegen der stark steigenden Infektionszahlen müssen sich die Menschen zunächst wieder auf härtere Auflagen einstellen. «Damit muss man rechnen, dass Dinge zurückgenommen und verschärft werden», sagte der Regierungschef kurz nach seinem Piks in der Stuttgarter Liederhalle, die zum Impfzentrum umfunktioniert wurde. Angesichts vieler Ansteckungen in Kitas und Schulen könne es zudem sein, «dass wir da auch was ändern müssen», sagte vor dem Bund-Länder-Treffen zur Corona-Politik am kommenden Montag. Es sei leider nicht so, dass Ostern entspannter als das jüngste Weihnachtsfest werde.

Der Regierungschef geht auch davon aus, dass es nicht dabei bleiben werde, dass Stadt- und Landkreise selbstständig über Öffnungen je nach Inzidenzen entscheiden können. Hier könne wieder die landesweite Infektionszahl auf 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen als Maßstab gelten. Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz lag zuletzt um die 90. Kretschmann kündigte zudem an, Einwohner von Hotspot-Regionen müssten mit Maßnahmen wie Ausgangsbeschränkungen rechnen. Es hänge jetzt viel davon ab, wie schnell man mehr impfen und deutlich mehr testen könne, «um risikoärmer öffnen» zu können.

Unmittelbar vor dem Impfgipfel mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den anderen Ministerpräsidenten drückte Kretschmann nochmal aufs Tempo. Es sei jetzt wichtig, dass von April an Haus-, Fach- und Betriebsärzte massenhaft impfen könnten. In Baden-Württemberg gebe es eine große Bereitschaft bei den niedergelassenen Ärzten zu Impfen - bis zu 4000 Arztpraxen seien bisher dazu bereit.

Der Grünen-Politiker forderte erneut, dann müsse auch die bisher geltende Impfpriorisierung gelockert werden. Er zeigte sich erfreut, dass Astrazeneca wieder zugelassen ist, auch weil dieser Impfstoff anders als andere nicht aufwendig gekühlt werden müsse. «Das ist ein wichtiger Baustein, damit wir an Tempo gewinnen.»

Zu der Frage, ob irgendwann auch mit dem russischen Impfstoff Sputnik in Deutschland geimpft werden könnte, sagte Kretschmann, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen habe am Donnerstag erklärt, dass Sputnik genauso geprüft werde wie alle anderen Impfstoffe auch.

In Baden-Württemberg haben bisher etwas weniger als eine Million Menschen eine erste Impfung gegen das Coronavirus erhalten. Bei seiner eigenen Impfung am Freitagmittag ließ Kretschmann seiner Frau Gerlinde (73) den Vortritt. Beide sind wegen ihres Alters impfberechtigt. Man habe den Termin bereits vergangene Woche vereinbart, sagte sein Sprecher.

Kretschmann entschuldigte sich dafür, dass es immer mal wieder Ärger um Impftermine gebe. Er verstehe den Frust, aber man könne von Baden-Württemberg aus wenig dagegen tun, dass zu wenig Impfstoff vorhanden sei. Er gehe fest davon aus, dass ab April der «Hochlauf» beginne.

Der Regierungschef hatte am zweiten Weihnachtstag das Impfzentrum in Stuttgart eröffnet. Man habe damals gehofft, dass drei Monate später schon viel mehr Menschen geimpft seien. Es sei aber klar gewesen, «dass nicht alles glatt läuft». Man könne Gott dankbar sein, dass es so eine «segensreiche Erfindung» wie Impfstoffe gebe. «Denn wenn man dafür dankbar ist, wächst auch die Zufriedenheit.» Zuvor hatte er sich in den rechten Arm und seine Frau in den linken Arm spritzen lassen. Als sie das Impfzentrum verließen, nahmen sie sich an der Hand. Er reichte ihr seine rechte und sie ihm ihre linke.

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