Baden-Württemberg

Kriminologe kritisiert Sicherheitsmaßnahmen in Psychiatrie

Polizisten stehen nach dem Ausbruch vor der Klinik
Polizisten stehen nach dem Ausbruch von vier Männern vor der psychiatrischen Klinik im Kreis Heilbronn. Foto: Bernd Weißbrod/dpa/Archivbild © Bernd Weißbrod

Stuttgart (dpa/lsw) - Ausbrüche von Straftätern aus psychiatrischen Kliniken haben nach Ansicht des Kriminologen Christian Pfeiffer oft mit unzureichenden Sicherheitsmaßnahmen zu tun. «Der Strafvollzug ist sicherer als der Maßregelvollzug», sagte er am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Psychiatrische Einrichtungen verfügten nicht über professionelle Sicherheitsmechanismen. «Sie haben auch weniger geschulte und weniger auf Sicherheit getrimmte Spezialisten und Mitarbeiter im Vergleich zum Strafvollzug.»

Am Mittwochabend der vergangenen Woche waren aus einer geschlossenen Station des Klinikums am Weissenhof in Weinsberg im Kreis Heilbronn vier Männer geflüchtet. Einer von ihnen wurde einen Tag später festgenommen. Die anderen drei - 24, 28 und 36 Jahre alt - sind noch auf der Flucht. Die Polizei sucht mit Hochdruck nach ihnen. 30 Beamte arbeiten an dem Fall.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Heilbronn sollen die Ausbrecher in einem der oberen Stockwerke der Klinik ein Fenster hinausgedrückt und sich danach abgeseilt haben. «Dass solche Ausbrüche auf diese Weise überhaupt möglich sind, ist erstaunlich. Die Gefährlichkeit der Insassen ist hoch, die Sicherheitsmaßnahmen halten dem jedoch nicht Stand», sagte Pfeiffer. Dies sei eine Schwachstelle so gut wie aller Psychiatrien.

Der Kriminologe schlug vor, dass die Sozial- und Justizministerien der Länder besser miteinander kooperieren sollten. «Die Frage ist: Wie schafft man im Bereich des Sozialministeriums die Sachkunde, die im Strafvollzug vorhanden ist?», sagte Pfeiffer. Es biete sich an, dass man beispielsweise einen Fachmann einsetze, der für die Sicherheit aller Anstalten zuständig sei. Pfeiffer war von 2000 bis 2003 Justizminister in Niedersachsen.

Dass die drei Männer seit einer Woche flüchtig sind, bedeute, dass sie entweder Unterstützung hätten oder sich erfolgreich durch Einbrüche wie etwa in Gartenlauben Nahrung und Kleidung besorgen konnten. «Die Täter stehen in einer Drucksituation. Sie sind auch deswegen gefährlich, weil die Geld brauchen», sagte Pfeiffer. Mit jedem Tag länger auf der Flucht steige die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Täter ins Ausland abgesetzt haben könnten.

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