Baden-Württemberg

Legionellen und Papierschnipsel: Tüftler ausgezeichnet

«Jugend forscht»
Eine Jugendliche sitzt an einem Mikroskop. Foto: Uwe Anspach/dpa/Symbolfoto © Uwe Anspach

Heilbronn (dpa/lsw) - Die Böden werden zunehmend trockener, ausgelaugt vor allem durch die vergangenen Sommer, durch den Wassermangel und die Landwirtschaft. Die Silphie könnte da helfen. Die was? Die Pflanzenart ist eigentlich nur Fachleuten ein Begriff. Und zu denen gehören jetzt sicher auch zwei Schülerinnen aus Tuttlingen. Mit viel Geduld haben Isabell Seibel und Melina Reckermann untersucht, wie sich Silphie und Mais auf Böden auswirken. Mit ihrem erfolgreichen Test setzten sie sich neben sieben weiteren Projekten im Landeswettbewerb «Jugend forscht» durch. Jetzt können sie im Bundesfinale im Mai auch auf die ganz großen Lorbeeren hoffen.

«Unsere Versuche haben gezeigt, dass die Silphie eine große Chance für das Wassermanagement landwirtschaftlich genutzter Böden bietet», erklärt Melanie Reckermann. Nitrat halte sie besser zurück, sie fördere Humifizierungsprozesse und könne auch auf schlechten Böden, an Hängen und an Waldrändern wachsen. «Der Anbau der Silphie lohnt sich daher besonders mit Blick auf den Klimawandel», sagte die 16-Jährige, die den Landeswettbewerb schon 2018 für sich entscheiden konnte. Damals hatte sie mit einem Mitschüler untersucht, wie Insekten und Spinnentiere auf Oberflächen haften bleiben.

Helen Hauck (18) aus Radolfzell fand in ihrem siegreichen Projekt heraus, das Blätter aus Indischem Springkraut als biochemische Waffe gegen den Buchsbaumzünsler eingesetzt werden können. Mit dem Flug von Papierschnipseln setzten sich Leonard Münchenbach und Leo Neff (beide 16) aus Emmendingen auseinander, auch wenn sie selbst sagen, dass es «reiner Jux» war und «niemandem wirklich nützt, außer vielleicht bei der Streuung von Konfettikanonen».

Mit einem Kunstharz-3D-Drucker überzeugte Tobias Neidhart (18) aus Konstanz die Jury, während Judith Lutz und Sarah Lichtenstein (beide 17) aus Singen 46 Wildbienen-Arten in der Bodensee-Region ins Visier nahmen. «Wir haben vorher auch nur Honigbienen und Hummeln gekannt», sagte Judith Lutz. «Aber die Mörtelbiene ist vom Aussterben bedroht und da fingen wir an, uns zu interessieren.» Miriam Warken (19), Fabio Briem (19) und Lukas Bohnacker (20) aus Karlsruhe, Blaubeuren und München haben ihr Siegerprojekt sogar schon patentieren lassen. Mit ihrem Verfahren können Bakterien wie Legionellen in Rohrleitungen durch Ultraschall getötet werden. Das wäre ein großer Schritt zum Beispiel für Krankenhäuser. Deshalb testet das Alb-Donau-Klinikum die Erfindung jetzt auch unter Realbedingungen.

Jubeln konnten die siegreichen Jugendlichen am Mittwoch allerdings nur am Bildschirm. Denn die Corona-Pandemie sorgt für ein Novum: Erstmals präsentieren die Teilnehmer und Teilnehmerinnen an drei Tagen ihre Projekte online über eine Software mit Chat-Räumen für die Jury sowie Besucher und Besucherinnen.

Das Virus hat auch die Ideen in Fachgebieten wie Arbeitswelt, Biologie, Chemie, Mathematik, Physik und Technik beeinflusst. «Viele Projekte haben mit Corona zu tun, das fällt auf», sagte die Leiterin des Landeswettbewerbs, Marianne Rädle. Ein eingereichtes Projekt einer Lüftungsanlage für die Schule habe zum Beispiel gezeigt, wie wichtig es den Jungen und Mädchen sei, wieder in die Schule gehen zu können. Die Nachwuchsforscher zeigten zudem, wie Probleme angegangen und gelöst werden könnten. «Außerdem schaffen viele der diesjährigen Projekte auch erst ein Bewusstsein für Themen, die wichtig, aber bisher noch nicht in der breiten Öffentlichkeit angekommen sind.»

Die mehr als 100 Jungforscherinnen und Jungforscher hatten sich zuvor in neun Regionalwettbewerben für die landesweite Finalrunde qualifiziert. Beim Landeswettbewerb gibt es für die ausgezeichneten Projekte Preisgelder in Höhe von bis zu 250 Euro. Die acht besten Ideen treten im Bundesfinale Ende Mai an.

«Jugend forscht» gilt als Europas größter Nachwuchswettbewerb in Mathematik, Naturwissenschaften und Technik. Der diesjährige Wettbewerb ist der 56. auf Landesebene, im vergangenen Jahr wurden wegen Corona keine Projekte ausgezeichnet.

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