Baden-Württemberg

Mehr als nur eine U-Bahn: Kombilösung ist eröffnet

Karlsruher U-Bahnprojekt Kombilösung wird eröffnet
Fahrgäste stehen in der Haltestelle Marktplatz (Pyramide) im Karlsruher U-Bahnprojekt Kombilösung. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa © Philipp von Ditfurth

Karlsruhe (dpa/lsw) - Zum Start lief alles rund: Punkt 11.00 Uhr ist am Samstag mit einem kleinen Festakt im Karlsruher Untergrund eines der größten Nahverkehrsprojekte in Baden-Württemberg eröffnet worden. Nach zwölf Jahren Bauzeit durchschnitten Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD), Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) und Michael Theurer (FDP), Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, gemeinsam das rote Band für die sogenannte Kombilösung. Das 1,5-Milliarden-Euro-Projekt schafft durch einen Straßenbahn- und einen Autotunnel mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer. Karlsruhe erhält damit nicht nur eine der kürzesten U-Bahnen Deutschlands, sondern auch ein anderes Gesicht.

Bisher rollten Straßenbahnen im Minutentakt oberirdisch durch die Fußgängerzone. Nun wird ein Teil durch einen darunter liegenden Tunnel geführt, der andere Teil fährt auf der südlich gelegenen neuen Trasse Kriegsstraße. Diese früher teils zehnspurige Autoschneise ist zum Boulevard umgebaut worden. Der Autoverkehr soll in einem Tunnel darunter fließen, der voraussichtlich Ende März fertig wird. «Es ist ein neues Karlsruhe, das hier in ersten Schritten entsteht», sagte Mentrup.

Das Milliarden-Projekt war vor allem wegen der Kosten heftig umstritten, die am Ende dreimal so hoch waren wie ursprünglich geplant. Aus Sicht von Verkehrsminister Hermann hat es sich am Ende dennoch gelohnt, weil das ÖPNV-Netz deutlich leistungsfähiger und die Sicherheit in der Stadt erhöht werde. «In Summe war es angemessen.»

Nach den Worten Theurers hat Karlsruhe mit der Kombilösung ein neues Kapitel im Nahverkehr aufgeschlagen. «Man kommt jetzt schneller, pünktlicher und sicherer zum Ziel.» Die Kombilösung wurde zu 60 Prozent vom Bund finanziert, das Land übernahm 20 Prozent - für den Rest muss die Stadt aufkommen.

Dass angesichts des dichten und für Fußgänger gefährlichen Tramtaktes in Karlsruhe etwas getan werden musste, stand auch für Kritiker außer Frage. Aus Sicht des Umweltverbandes BUND wurde für die Kombilösung aber viel Geld verbraten - ohne dass die Leistungsfähigkeit des Schienennetzes wirklich verbessert worden sei. Angesichts angepeilter zusätzlicher ÖPNV-Fahrgastzahlen müssten aus Sicht der Umweltschützer wie auch des Verkehrsclubs VCD die oberirdischen Schienen in der Kaiserstraße bleiben. Doch das ist keine Option. Karlsruhe bekommt eine echte Fußgängerzone, betonte Mentrup zur Eröffnung.

Bevor die Bürger am Samstag ab 14.00 Uhr in den Untergrund strömten, konnten geladene Gäste zuvor testen, wie es sich in Karlsruhes neuer U-Bahn anfühlt. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) musste zwar krankheitsbedingt absagen, aber dafür waren neben Mentrup mit Gerhard Seiler und Heinz Fenrich (beide CDU) gleich zwei frühere OBs dabei. Die waren nicht nur angetan von den großzügigen Wegen und weiß vertäfelten Hallen, die von einem Lichtgespinst beleuchtet werden. «Ich bin froh, dass das Jahrhundertbauwerk endlich auf den Weg gebracht wurde», sagte Fenrich. Der hatte die Kombilösung Mitte der 1990er Jahre vorgeschlagen - nachdem ein bloßer U-Bahn-Tunnel durch einen Bürgerentscheid zunächst abgelehnt worden war.

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