Baden-Württemberg

Mehr illegale Autorennen gemeldet: Würde Tempolimit helfen?

Blaulicht
Ein Blaulicht leuchtet auf dem Dach einer Polizeistreife. Foto: Lino Mirgeler/dpa/Symbolbild © Lino Mirgeler

Stuttgart (dpa/lsw) - Gas geben gegen andere Fahrer oder gegen die Uhr: Die Zahl der Meldungen zu solchen illegalen Autorennen ist im Südwesten in der ersten Jahreshälfte 2021 erneut gestiegen. Die Polizei hat bis Ende Juni 263 solcher Fälle erfasst - 11 mehr als im gesamten Jahr 2019 und im Frühjahr 2020 zusammengenommen, wie aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Hans-Peter Storz hervorgeht. Die meisten Rennen wurden der Polizei im Ortenaukreis gemeldet (20), gefolgt vom Rems-Murr-Kreis (16) und dem Landkreis Böblingen (15 Fälle). Zunächst hatten die «Stuttgarter Nachrichten» berichtet.

Zwar drohen Fahrern schon bei der Teilnahme an solchen Rennen seit 2017 bis zu zwei Jahre Haft. Die Zahl der gemeldeten illegalen Autorennen ist im Land seitdem trotzdem stetig gestiegen. Das Innenministerium sieht dahinter aber eine positive Entwicklung: Es kämen mehr Fälle ans Licht als zuvor, heißt es aus Stuttgart. Fahrer würden öfter angezeigt, Polizisten seien für das Thema sensibilisiert. «Dies führt zu einer Aufhellung des Dunkelfeldes», sagte ein Ministeriumssprecher. Es gebe «keine Anhaltspunkte» dafür, dass die Anzahl illegaler Autorennen tatsächlich steigt.

Das sieht zwar auch das baden-württembergische Verkehrsministerium so. Allerdings gebe es noch ein «wirksames Mittel» gegen illegale Autorennen, von dem bisher kein Gebrauch gemacht worden sei: ein durchgehendes Tempolimit auf deutschen Autobahnen. Rasen könne dadurch «beweissicher festgestellt und sanktioniert werden», teilte das Ministerium mit. «Dies kann auch dem Nachweis eines illegalen Kraftfahrzeugrennens dienen.» Darüber hinaus habe ein Tempolimit auch eine präventive Wirkung. Entschieden wird darüber auf Bundesebene.

Die Polizei in Baden-Württemberg schöpfe im Kampf gegen illegale Autorennen schon jetzt «alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel aus», betonte ein Sprecher des Innenministeriums. Allein in der ersten Jahreshälfte 2021 hätten Staatsanwaltschaften im Südwesten gegen 379 Verdächtige in 288 Verfahren wegen illegaler Rennen ermittelt. Um die Raser auf frischer Tat zu ertappen, kämen auch zivile Video-Pkw zum Einsatz. Spezialisten des neuen Kompetenzteams zum Thema Autoposer hätten bei ihren Einsätzen ebenfalls schon illegale Rennen erfasst.

Der ADAC Württemberg forderte dennoch «eine noch stärkere Präsenz der Polizei und härtere Kontrollen» auf betroffenen Strecken. «Die Raser müssen merken, dass es sich nicht lohnt, sich illegale Rennen im öffentlichen Straßenverkehr zu liefern», sagte der Abteilungsleiter Verkehr und Umwelt des Automobilclubs, Holger Bach. Wichtig sei aber auch eine «soziale Ächtung» der Raser: «Viele dieser Autofahrer ziehen ihre Bestätigung durch Videos und Fotos aus den Sozialen Medien», sagte Bach. Dies dürfe nicht durch «positive Aufmerksamkeit wie Likes oder Kommentare» gefördert werden.

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