Baden-Württemberg

Metall-Tarifparteien auch in Baden-Württemberg einig

Ein Stahlarbeiter nimmt an einer Kundgebung der IG Metall teil
Ein Stahlarbeiter nimmt an einer Kundgebung der IG Metall teil. Foto: Bernd Thissen/dpa/Symbolbild © Bernd Thissen

Stuttgart (dpa/lsw) - Sonderzahlungen für die Beschäftigten oder zum Ausgleich bei verkürzter Arbeitszeit, eine Corona-Prämie, erstmals Regeln auch für dual Studierende und mehr Optionen für Unternehmen im Krisenmodus: Nach mehr als drei Monaten Verhandlung haben Arbeitgeber und Gewerkschaft auch im Südwesten einen Abschluss in den Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie erzielt. Er basiert in wesentlichen Punkten auf dem Pilotabschluss aus Nordrhein-Westfalen, enthält aber auch viele Regelungen, die es nur in Baden-Württemberg gibt.

«Wir hatten eine harte Auseinandersetzung, aber immer fair, immer auch wertschätzend», sagte der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall, Wilfried Porth, am Mittwoch. «Wir haben ganz klar gezeigt, dass die Sozialpartner in der Lage sind, auch in schwierigen Situationen zukunftsweisende Vereinbarungen zu treffen.» Für die Betriebe bedeute der Abschluss eine noch vertretbare Kostenbelastung mit belastbaren Möglichkeiten zur Abweichung und Planungssicherheit. Die Beschäftigten hingegen bekämen Sicherheit und Perspektiven.

Das sieht auch die IG Metall so. «Das ist ein Tarifergebnis, das die Worte Augenmaß und kluge Austarierung verdient», sagte Bezirksleiter Roman Zitzelsberger. Es sei gelungen, zukunftsweisende Lösungen zu finden und zugleich die von den Arbeitgebern ursprünglich geforderten Einschnitte in bestehende Leistungen zu verhindern.

Genau wie in NRW sollen die Beschäftigten der Branche in Baden-Württemberg in diesem Jahr eine Corona-Prämie von 500 Euro bekommen. Von 2022 an gibt es dann - ebenfalls wie im Pilotabschluss - eine jährliche Sonderzahlung, Transformations- oder Trafobaustein genannt, die je nach Lage des Unternehmens angespart und entweder ausbezahlt oder für einen Teilausgleich von Arbeitszeitreduzierungen genutzt werden soll. 2022 sind das 18,4 Prozent eines Monatsentgelts, 2023 dann 27,6 Prozent. Aufs Jahr gerechnet entspricht das einem Plus von 2,3 Prozent. Der Tarifvertrag läuft bis Ende September 2022.

Eine der zahlreichen Besonderheiten im Südwesten ist, dass die Sonderzahlung nicht nur individuell für jeden einzelnen Beschäftigten verwendet werden kann, sondern auch kollektiv, wenn nur ein Teil der Belegschaft betroffen ist. Auch gibt es im baden-württembergischen Regelwerk die Option, unter bestimmten Voraussetzungen das Weihnachtsgeld jeweils um die Hälfte zu senken oder zu erhöhen.

Hinzu kommen eine Vereinfachung diverser Regelungen zur Arbeitszeit, die über die Jahre entstanden sind, und die Möglichkeit, sogenannte Zukunftstarifverträge für einzelne Unternehmen zu vereinbaren, um individuelle Lösungen für den Umgang mit der Transformation der Branche zu finden. Außerdem gelten Tarifregelungen künftig auch für Studierende der Dualen Hochschule.

Bundesweit sind in der Metall- und Elektroindustrie etwa 3,8 Millionen Menschen beschäftigt, davon knapp eine Million in Baden-Württemberg.

Die Verhandlungen hatten hierzulande im Dezember begonnen, dann aber lange keine Fortschritte gemacht. Erst in der fünften Verhandlungsrunde in der vergangenen Woche hatten sich beide Seiten angenähert. Der Abschluss erfolgte nun in Runde sechs.

Die IG Metall war ursprünglich mit einer Forderung im Volumen von vier Prozent in die Verhandlungen gegangen. Die Arbeitgeber wiederum hatten die Kürzung oder Streichung tariflicher Sonderleistungen durchsetzen wollen.

Um Druck auf die Arbeitgeber zu machen, hatte die IG Metall seit dem Ende der Friedenspflicht Anfang März immer wieder zu Warnstreiks aufgerufen. Nach Angaben der Gewerkschaft beteiligten sich daran insgesamt mehr als 220 000 Beschäftigte. Weil Massenveranstaltungen wegen der Corona-Pandemie nicht möglich waren und zudem viele Beschäftigte von zu Hause aus arbeiteten, fanden die Aktionen aber oft in kleinerem Rahmen oder gleich komplett digital statt. Aus Sicht der Arbeitgeber waren die Zahlen der Teilnehmenden deshalb auch deutlich zu hoch gegriffen.

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