Verbraucher

Nahverkehr im Südwesten mitunter kompliziert

Bahnhof
Ein Mann sitzt an einem Bahnhof vor einem Regionalzug auf der Bank. © Tom Weller

St.Blasien/Stuttgart (dpa/lsw) - Wer sich am Busbahnhof des Schwarzwald-Orts St. Blasien auf den Weg nach Freiburg macht, bekommt gleich zwei Fahrscheine in die Hand gedrückt: Einen für den Bus im Waldshuter Tarifgebiet bis Seebrugg am Schluchsee, und einen weiteren für die folgende S-Bahnfahrt nach Freiburg im dortigen Regio-Verkehrsverbund Freiburg (RVF).

Nutzerinnen und Nutzern wird klar, dass sie bei ihrer Fahrt Grenzen überschreiten - die von Verkehrsverbünden. Fahrgäste können sich zwar auch für einen durchgehenden Fahrausweis im sogenannten bwtarif entscheiden. Doch dieser ist für eine Standardfahrt auf der Strecke St. Blasien - Seebrugg - Freiburg deutlich teurer als die zusammengestückelten Tickets. Es werden dabei die zurückgelegten Kilometer zugrunde gelegt, wie die Baden-Württemberg-Tarif GmbH berichtete.

Etliche Bewohner im Schwarzwald brauchen allerdings kein Doppelbillett für den Freiburg-Trip. Sie fahren ihrem Auto nach Seebrugg im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald, um dann in den Zug zu steigen. «Es hat hier jeder ein Auto», sagte St. Blasiens Bürgermeister Adrian Probst der Deutschen Presse-Agentur.

Der CDU-Politiker plädierte dafür, beim Verkehr grenzüberschreitend zu planen. Das gelte sowohl für Landkreisgrenzen als auch für Landesgrenzen. «Bei uns kommt die Schweiz noch dazu: Der nächste Flughafen von hier aus ist Zürich», sagte der 33-Jährige.

Mit dem Waldshuter Tarifverbund (WTV) arbeite man zwar gut zusammen: «Es fehlen aber Fahrer, es fehlt Geld», bilanzierte Probst. «Ich bin sehr dafür, dass man die Anzahl der Verkehrsverbünde verkleinert», lautete sein Fazit.

Wie Probst denken auch andere Verantwortliche. In Baden-Württemberg gibt es im Ländervergleich sehr viele Verkehrsverbünde. Zum 1. Januar wird der neue Verbund Schwarzwald-Baar-Heuberg die bisherigen Grenzen der Landkreise Rottweil, Schwarzwald-Baar und Tuttlingen überwinden. Es gibt dann einen einheitlichen Tarif, der «Move» heißt und der den Einstieg in den öffentlichen Nahverkehr erleichtern soll.

Mit dem Zusammenschluss im Süden des Landes wird sich die Zahl der regionalen Verbünde um 2 auf dann 19 vermindern, wie eine Sprecherin des Stuttgarter Verkehrsministeriums auf Anfrage sagte. Auch in anderen Gebieten gebe es Überlegungen für Veränderungen, beispielsweise in Pforzheim, Schwäbisch-Hall und Heilbronn.

Die Verbünde stehen unter Druck. Da sind große Herausforderungen wie das 49-Euro-Ticket für Busse und Bahnen im Nahverkehr, das möglicherweise zum 1. April eingeführt werden wird. Da sind zum anderen erhebliche Investitionen in moderne Technik, beispielsweise für aktuelle Verkehrsinformationen für Fahrgäste.

Der Chef des Stuttgarter Verkehrs- und Tarifverbunds (VVS), Thomas Hachenberger, ist überzeugt, dass der Trend zu Zusammenschlüssen weitgehen wird. «Ich kann mir vorstellen, dass es in einigen Jahren noch etwa zehn Verbünde geben wird», bilanzierte Hachenberger, der auch Sprecher der Verbünde im Südwesten ist.