Baden-Württemberg

Ombudsfrauen helfen Opfern sexueller Übergriffe in Kliniken

Stefanie Lejeune
Stefanie Lejeune, Rechtsanwältin und Ombudsfrau. Foto: Angelique Tuszakowski/dpa/Archivbild © Angelique Tuszakowski

Ludwigsburg (dpa) - Immer mehr Kliniken in Deutschland setzen Ombudsfrauen ein, um sexuelle Belästigung ihres Personals einzudämmen. Auch die Ludwigsburger RKH Kliniken haben eine externe Ansprechpartnerin engagiert, die Betroffenen mit Rat und Tat zur Seite stehen soll. «Es ist uns ein großes Anliegen, dass sich unsere Beschäftigten an ihrem Arbeitsplatz wohl und sicher fühlen», erklärt RKH-Geschäftsführer Jörg Martin. Es gelte null Toleranz für sexuelle Belästigung und Diskriminierung aus anderen Gründen.

Nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) setzen sich die meisten Kliniken sehr intensiv mit Gewalt und sexuellen Übergriffen auseinander. Krankenhaus-Mitarbeiter können auf vielfältige Weise Grenzüberschreitungen ausgesetzt sein. «Einerseits gibt es in Krankenhäusern ausgeprägte Hierarchieebenen, die zu Missbrauch führen können. Andererseits entstehen Situationen, in denen auch Patienten übergriffig werden», meint ein DKG-Sprecher.

Die Krankenhausgesellschaft verweist auf das aus ihrer Sicht immer noch aktuelle Krankenhaus Barometer 2019 des Deutschen Krankenhaus Instituts, nach dem rund 83 körperliche oder verbale Gewaltvorfälle pro Krankenhaus im Jahr zu verzeichnen sind. Und das Phänomen nimmt zu: In 59 Prozent der Krankenhäuser war laut der Umfrage die Zahl körperlicher oder verbaler Attacken in den letzten fünf Jahren gestiegen. Nach Personalgruppen sind Pflegerinnen überproportional von Übergriffen durch Patienten und Dritte betroffen. Wegen der hohen Dunkelziffer zeigten die Zahlen nur die Spitze des Eisbergs, heißt es in der Publikation.

Die Ludwigsburger Ombudsfrau Stefanie Lejeune will dazu beitragen, dass das Thema kein Tabu bleibt. Die vorwiegend weiblichen Opfer haben große Hemmungen, Übergriffe öffentlich zu machen, hat die ehemalige Richterin beobachtet. «Sie fragen sich, ob sie gewisses Verhalten provoziert oder das Geschehene richtig interpretiert haben.»

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