Baden-Württemberg

Palmer geht auf Partei zu und bietet Grünen Hilfe an

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Bündnis 90/Die Grünen). Foto: Tom Weller/dpa/Archivbild © Tom Weller

Reutlingen (dpa/lsw) - Der umstrittene Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer ist nach Zeichen der Versöhnung aus seiner Partei ebenfalls auf die Grünen zugegangen. So bot er nun seine Hilfe beim Landtagswahlkampf im kommenden Jahr an. «Wenn man mich einlädt und es unter den Pandemiebedingungen überhaupt einen Wahlkampf geben kann, bin ich gerne bereit zu erklären, wie erfolgreich grüne Politik in Tübingen in die Praxis umgesetzt werden konnte. Nichts überzeugt mehr als ein gutes Beispiel», sagte Palmer dem «Reutlinger General-Anzeiger» (Mittwoch).

Tübingen habe Spitzenplätze beim Ausbau der Kinderbetreuung, beim sozialen Wohnungsbau oder bei der Innenentwicklung und natürlich beim Klimaschutz. Das sei ein grünes Gesamtkonzept, das für die Partei auch ein Pfund sein könne, mit dem man wuchern könne. «Ich würde mir wünschen, dass man sich in die Augen schaut und diesen Streit beilegt», sagte Palmer mit Blick auf seine Partei.

Zuvor hatte sich bereits Baden-Württembergs grüner Ministerpräsident Winfried Kretschmann positiv über Palmer geäußert. Auf die Frage, ob er Palmer für höhere politische Ämter geeignet halte, sagte Kretschmann am Dienstag in Stuttgart: «Sicher, soviel ich weiß, will er wieder OB von Tübingen werden.» Der Grünen-Politiker erläuterte, er habe Palmer nie abgeschrieben. «Ich war noch nie unversöhnt mit ihm. Ich habe öfter ärgerliche Debatten mit ihm.» Palmer hatte bereits Ende vergangener Woche gesagt, er hoffe auf eine «Versöhnung» mit den Grünen.

Der Grünen-Landesvorstand hatte Palmer im Mai den Parteiaustritt nahegelegt - wegen dessen umstrittenen Äußerungen über ältere Menschen in der Corona-Pandemie («Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären.») Man werde Palmer bei einer möglichen erneuten Kandidatur für den OB-Posten nicht mehr unterstützen, hieß es damals bei den Grünen in Bund, Land und Stadt.