Baden-Württemberg

Park für künstliche Intelligenz soll in Heilbronn entstehen

Möglicher Standort für KI Park
Ein mögliches Gewerbegebiet mit der Bezeichnung "Steinäcker" in der Nähe von Heilbronn. Foto: Bernd Weißbrod/dpa © Bernd Weissbrod

Stuttgart (dpa/lsw) - Die grün-schwarze Landesregierung will Heilbronn zu einem landesweiten Zentrum für Zukunftstechnologien ausbauen. Die Großstadt im Norden Baden-Württembergs bekam am Dienstag im Kabinett den Zuschlag für den Aufbau eines sogenannten Parks für künstliche Intelligenz (KI), den das Land mit einer Anschubfinanzierung von bis zu 50 Millionen Euro unterstützen will. Es handle sich um eines der größten vom Land geförderten innovationspolitischen Einzelprojekte der vergangenen Jahrzehnte, sagte Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU).

Im Norden Heilbronns soll in einem neuen Gewerbegebiet den Vorstellungen zufolge bis zum Jahr 2026 ein «parkartiger Campus» entstehen, wie die Regierung mitteilte. Auf einer mehr als 20 Hektar großen Fläche sind nach ersten Plänen unter anderem Rechen-, Schulungs- und Besucherzentren geplant, zudem soll es jede Menge Flächen für Büros geben. Ziel ist es, dass sich möglichst hochkarätige Wissenschaftler, Unternehmen und Investoren vernetzen. Der Innovationspark solle auch dabei helfen, um eine «gewaltige Investitionslücke» zu schließen, sagte die Ministerin.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sagte, man wolle «Vorreiter» für eine künstliche Intelligenz werden, die den Menschen «einen konkreten Nutzen» stifte. Ob das Projekt ein Erfolg wird, dürfte auch entscheidend davon abhängen, wie groß das Interesse vor allem bei großen Unternehmen tatsächlich ist, sich am KI-Park zu beteiligen - und sich womöglich auf dem Campus sogar anzusiedeln. Als ein Konkurrent im Werben um Partner gilt das schon bestehende Cyber Valley in Tübingen. Hoffmeister-Kraut sagte, nach einer Anschubphase werde sich der Heilbronner KI-Park wirtschaftlich selbst tragen müssen. Zunächst gibt es aber Geld aus der Staatskasse, der Landtag hatte im Grundsatz 50 Millionen Euro für das Projekt freigemacht.

Heilbronn setzte sich gegen drei andere Bewerberinitiativen durch. Neben einer Gemeinschaftsbewerbung der Regionen Stuttgart, Karlsruhe und Neckar-Alb hatten sich auch Freiburg sowie gemeinsam Ulm und der Ostalbkreis um die Millionenförderung bemüht.

Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel (SPD) sagte, die Entscheidung bedeute «einen Quantensprung» zur weiteren Entwicklung seiner Stadt. Zusätzlich zur Landesförderung sollen laut Stadt und der ebenfalls beteiligten Dieter Schwarz Stiftung noch Eigenmittel «in mindestens der gleichen Höhe» ins Vorhaben eingebracht werden.

Bei den Unterlegenen herrschte teils Ernüchterung. Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) teilte mit, es wundere ihn sehr, dass man die Landesregierung mit der eigenen Konzeption nicht habe überzeugen können. Dennoch halte man am mit den Regionen Stuttgart und Neckar-Alb erstellten Plan fest und wolle weiter versuchen, «KI-Anwendungen auf höchstem wissenschaftlichen, technologischen und ethischen Niveau voranzutreiben». Man hoffe in diesem Zusammenhang weiter auf Fördermittel des Landes.

Hoffmeister-Kraut sagte, Heilbronn habe nicht zuletzt wegen eines «stimmigen» und bereits detailliert ausgearbeiteten Konzepts den Zuschlag erhalten. Bevor das Ministerium und letztlich das Kabinett ihre Voten abgaben, hatte sich schon eine von Hoffmeister-Krauts Haus eingesetzte Expertenjury klar für den späteren Sieger ausgesprochen.

Um an die Millionengelder zu kommen, muss Heilbronn nun laut Wirtschaftsministerium zunächst einen förderfähigen Antrag ausarbeiten. «Noch im Juli wollen wir dazu erste Gespräche führen und alle Möglichkeiten zur Beschleunigung des Projekts eruieren», teilte eine Ministeriumssprecherin mit. Auch mit allen anderen Bewerbern werde man «das Gespräch suchen». Details dazu blieben offen.

Die Klärung der Standortfrage des KI-Campus hatte sich mehrfach verzögert. Ende vergangenen Jahres hatte Hoffmeister-Kraut noch gesagt, im Optimalfall könne die Entscheidung in dem Wettbewerb mit mehreren Interessenten noch vor der Landtagswahl Mitte März fallen. Doch daraus wurde ebenso nichts wie aus einem vom Ministerium geäußerten Plan, wonach «voraussichtlich» im zweiten Quartal 2021 ein Sieger in dem monatelangen Verfahren verkündet werden sollte.

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