Baden-Württemberg

Polizei setzt in Baden-Württemberg kaum Taser ein

Ein Polizeibeamter hält einen Taser in der Hand
Ein Polizeibeamter hält ein sogenanntes Distanz-Elektro-Impulsgerät in der Hand. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/Symbolbild © Rolf Vennenbernd

Stuttgart (dpa/lsw) - Die Polizei im Südwesten nutzt nur in seltenen Fällen Elektroschocker, um Angreifer außer Gefecht zu setzen. Im zu Ende gehenden Jahr (Stand: 17. Dezember) seien die sogenannten Distanz-Elektro-Impulsgeräte (DEIG) nur vier Mal durch die Polizei eingesetzt worden, teilte das Innenministerium der Deutschen Presse-Agentur mit. 2020 machte die Polizei von Tasern acht Mal Gebrauch, 2019 vier Mal. Bislang wurden keine Todesfälle im Zusammenhang mit dem Polizeigebrauch eines Tasers bekannt. Allerdings werden Taser im Südwesten ebenso wie in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und auch Hamburg ausschließlich durch die Spezialeinheiten eingesetzt - andere Länder wie zum Beispiel Bayern weiten den Einsatz hingegen aus.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft wünscht sich seit längerem Taser als Standardwaffe aller Polizeibeamten im Südwesten. «Die Erfahrungen in anderen europäischen Ländern und einigen Bundesländern sind hervorragend», sagt der baden-württembergische Gewerkschaftsvorsitzende Ralf Kusterer der Deutschen Presse-Agentur. «Zum Schutz der Täter und der Polizisten brauchen wir zwischen dem Schlagstock und der Pistole ein Einsatzmittel.» Eine Ausweitung des Einsatzes von DEIG über die Spezialeinheiten hinaus sei jedoch nicht geplant, teilte das Innenministerium mit.

Mit dem Elektroschocker wird ein Täter mehrere Sekunden lang handlungsunfähig gemacht. Aus einer Distanz von zwei bis fünf Metern schießt der Polizist mit Draht verbundene Pfeile ab. Für den Betroffenen ist das schmerzhaft. Der Pfeil dringt einen Zentimeter tief in die Haut und gibt einen Stromimpuls ab. Damit sollen Polizisten einen Angreifer auf Distanz halten können - ohne das Risiko einer tödlichen Verletzung.

Taser werden in Baden-Württemberg seit 2007 eingesetzt. Mit einem solchen Gerät hatte die Polizei unter anderem den sogenannten Waldläufer von Oppenau im Juli 2020 überwältigt. Ganz ohne Risiko ist ein Taser-Einsatz aber nicht. Gerade bei Älteren, Schwangeren und Menschen mit Herzproblemen kann ihr Einsatz tödliche Folgen haben.

Anders als in Baden-Württemberg haben bayerische Polizisten die Elektroschocker in diesem Jahr häufiger eingesetzt als 2020. Sie kamen bis Ende November insgesamt 45 Mal zum Einsatz - darunter 28 Mal als Androhung, wie aus Zahlen des Innenministeriums hervorgeht. 2020 waren es nach Angaben eines Ministeriumssprechers im ganzen Jahr 35 Einsätze bei 29 Androhungen. Ende 2020 war im Freistaat entschieden worden, alle Unterstützungskommandos sowie alle geschlossenen Einsatzeinheiten der Landespolizei mit Tasern auszustatten.

In Niedersachsen könnte ein Taser-Einsatz allerdings auch ein Nachspiel haben: Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach dem Tod eines 39-jährigen Mannes aus Garbsen. Er wurde Anfang Oktober von der Polizei überwältigt und starb noch am selben Tag in einer Klinik. Eine Obduktion habe kein eindeutiges Ergebnis gebracht, wonach der Taser-Einsatz den Tod des Mannes ausgelöst habe, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Der 39-Jährige habe erhebliche Vorerkrankungen gehabt. Um alle Unwägbarkeiten auszuschließen, sei eine Untersuchung des Tasers in Auftrag gegeben worden.

Die hessische Polizei hat bei ihren Einsätzen 2021 dagegen seltener zum Taser gegriffen. Nachdem der Elektroschocker 2020 landesweit bei insgesamt 59 Fällen zum Einsatz kam, war es im laufenden Jahr bei bislang 42 Einsatzlagen der Fall, wie das Innenministerium auf dpa-Anfrage mitteilte. Dabei sei es zu 25 Androhungen gekommen, 17 Mal sei der Taser ausgelöst worden.

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