Baden-Württemberg

Südwesten ist Schwerpunkt der Grauen Wölfe

Der Gruß der Grauen Wölfe
Eine Hand zeigt den "Wolfsgruß" der Grauen Wölfe. Foto: picture alliance /dpa/Archivbild © Peter Kneffel

Stuttgart (dpa/lsw) - Der Südwesten ist eine Hochburg für Aktivitäten der Grauen Wölfe, Teil der türkisch-nationalistischen Bewegung Ülkücü. Laut neuesten Zahlen werden inzwischen im Land insgesamt rund 2400 Menschen der Szene zugerechnet, die der Verfassungsschutz unter dem Oberbegriff Ülkücü-Bewegung im Blick hat, sagte ein Sprecher des Landesamtes für Verfassungsschutz. «Das hat auch damit zu tun, dass eine solche Bewegung da am Start ist, wo es besonders viele Menschen mit türkischem Migrationshintergrund gibt.»

Die Grauen Wölfe seien hierzulande überdurchschnittlich stark aktiv, sagte dazu Nico Weinmann, stellvertretender Vorsitzender der FDP/DVP Fraktion im Landtag. «Daher muss das Innenministerium diese Bewegung stärker als bislang in den Fokus nehmen. Es braucht mehr Anstrengungen der Landesregierung und stärkeren Druck auf die Bewegung.» Wegen der kleinteiligen Organisation der Bewegung könne auch ein Verbot auf Landesebene ein probates Mittel sein, dieser rechtsradikalen Bewegung entgegenzutreten.

Alleine in Stadt und Region Stuttgart gibt es mehr als 25 einschlägige Vereine, in ganz Baden-Württemberg mehr als 45. Das geht aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage der FDP vom Januar dieses Jahres hervor. Demzufolge haben 80 Prozent der Ülkücü-Anhänger im Südwesten die türkische und 20 Prozent die deutsche Staatsbürgerschaft und sind im Südwesten besonders gut organisiert.

Aktiv sind sie vor allem in Ortsvereinen, die von den drei Dachverbänden der Bewegung betrieben werden: der Föderation der Weltordnung in Europa, der Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa sowie der Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland (ADÜTDF). Diese Ortsvereine werden alle beobachtet vom Landesamt für Verfassungsschutz.

Einen hohen Stellenwert nimmt die Jugendarbeit des ADÜTDF, des größten Dachverbandes, ein. So würden Profile in den einschlägigen sozialen Netzwerken im Internet betrieben und auch «zur ideologischen Beeinflussung sowie zur Mobilisierung für bevorstehende Veranstaltungen genutzt».

Die Corona-Pandemie hat laut Landesamt für Verfassungsschutz jedoch zu einem deutlichen Rückgang der typischen Aktivitäten innerhalb der Ülkücü-Szene geführt: «Mehrtägige Schulungsveranstaltungen für Jugendliche, Saalveranstaltungen mit mehreren Hundert Teilnehmern oder vereinsinterne Gedenkveranstaltungen für ideologische Vordenker wurden eingestellt, verschoben oder online durchgeführt», hieß es.

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