Baden-Württemberg

Schulen ab 11. Januar offen? Kretschmann zurückhaltend

Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen)
Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild © Sebastian Gollnow

Stuttgart (dpa/lsw) - Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann will die Schulen nach Ende des harten Corona-Lockdowns am 11. Januar - wenn irgendwie möglich - wieder öffen. Doch Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) ist skeptisch. «Wo wir sind am 11. Januar, wird man sehen», sagte der Regierungschef am Dienstag in Stuttgart. «Keine Maßnahmen erfolgen unabhängig von den Infektionszahlen.» Die Ministerpräsidenten wollen am 5. Januar über das weitere Vorgehen entscheiden. Denkbar ist, dass der Lockdown verlängert wird, sollten die Zahlen nicht deutlich sinken.

Eisenmann: Bildung höchstes Gut

Eisenmann hatte dem SWR gesagt: «Der Plan ist Präsenzunterricht. Der Plan ist, dass die Kinder vor Ort in der Schule beschult werden.» Und weiter: «Wir hoffen, durch diesen harten Lockdown die Zahlen natürlich bis zum 10. Januar deutlich nach unten drücken zu können. Unabhängig von den Inzidenzzahlen muss Schule dann wieder angeboten werden können.» Bildung sei das höchste Gut und nicht mit anderen Dingen vergleichbar. Sie sagte aber auch mit Blick auf die Hotspot-Strategie des Landes: «Wir haben ja Konzepte bei hohen Inzidenzen mit Präsenzunterricht und einzelne Klassen im Wechselunterricht.»

Kretschmann will Konzept für die Zeit bis Ostern

Kretschmann sagte, er verstehe Wunsch, Ziel und Dringlichkeit von Eisenmann, wieder in den Präsenzunterricht zurückzukehren. Er habe mit der Kultusministerin gesprochen, dass es nicht gehe, Schüler bis Ostern nicht in die Schule schicken zu können, sagte der Grüne. Da müsse man sich nun was überlegen. Aber der landesweite Inzidenzwert bewege sich auf 200 zu.

Grünen-Fraktion drängelt

Die grüne Landtagsfraktion pocht denn auch darauf, dass man sich besser auf den Fall vorbereitet, dass die Infektionszahlen noch keinen Präsenzunterricht zulassen. «Je nach Inzidenzlage kann und muss Unterricht unter Umständen in alternativen Formen wie Hybrid -, Wechsel- oder Fernunterricht für ältere Schülerinnen und Schüler erfolgen», forderte die Schulexpertin Sandra Boser. «Ministerin Eisenmann muss die Ferienzeit bis zum 10. Januar nutzen, um gemeinsam mit den Akteuren die Konzepte für alternative Unterrichtsformen zu konkretisieren, damit Schulen praktikabel arbeiten können.»

Eisenmann sieht viele Probleme bei Fernunterricht

Eisenmann hatte im SWR erklärt, Fern- und Wechselunterricht, bei dem immer nur ein Teil in der Schule ist, oder die Kinder ganz zu Hause sind, brächten große Probleme mit sich. «Nicht in der Frage der Schulausstattung - das ist gar nicht zwingend das Thema - sondern in der Frage des Lernerfolgs.» Dieser sei bei diesen Varianten geringer. Die CDU-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl fügte hinzu: «Wir haben übrigens auch viele Kinder, die in durchaus schwierigen Verhältnissen leben.» Sie bleibe dabei: «Täglicher Präsenzunterricht ist durch gar nichts zu ersetzen, und in allen anderen Bereichen sind es immer nur schlechtere Alternativen.»

Lehrerverband will klare Regeln

Der Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) rechnet mit keiner positiv veränderten Infektionslage im Südwesten bis Mitte Januar. Landeschef Gerhard Brand forderte bei niedrigeren Infektionszahlen im neuen Jahr klare Regeln, die über Präsenz- und Wechselunterricht entscheiden. Der Verband möchte eine Grenze bei einem Inzidenzwert von 50 setzen. Oberhalb des Wertes sollen Schulen in den Wechselunterricht gehen, darunter darf Präsenzunterricht stattfinden. In einer Umfrage vor der Ankündigung der Schulschließungen vor Weihnachten unter 1074 Mitgliedern des VBE-Landesverbands sprachen sich 586 Lehrer für Präsenzunterricht aus. 488 Lehrkräfte bevorzugten Wechselunterricht.

Der Inzidenzwert sei bereits jetzt die Richtschnur für die Politik des Kultusministeriums, da man sich schon bei der Pandemiestufe 3 und der Hotspot-Strategie daran orientiert habe, teilte eine Sprecherin des Ministeriums mit. Die VBE-Umfrage unter den Mitgliedern bestätige das bisherige Vorgehen des Ministeriums, den Präsenzunterricht einzuschränken, wenn es Infektionszahlen notwendig machten.