Baden-Württemberg

Shakshuka zum Mittag: IG Metall verlegt Warnstreiks ins Netz

Fahne mit dem Logo der IG Metall
Eine Fahne mit dem Logo der IG Metall an einem Auto. Foto: Wolfgang Kumm/dpa/Archivbild © Wolfgang Kumm

Stuttgart (dpa/lsw) - Musik, Gespräche mit Betriebsräten, ein bisschen Sport und ein Bezirksleiter am Herd: Zum vorläufigen Warnstreik-Höhepunkt in der Metall- und Elektroindustrie im Südwesten haben zahlreiche Beschäftigte am Freitag digital die Arbeit niedergelegt. Aufgrund der Corona-Lage hatte die IG Metall anstelle der sonst meist üblichen zentralen Kundgebung erstmals eine knapp zweistündige Live-Show im Internet ausgestrahlt. Unter anderem bereitete darin Bezirksleiter Roman Zitzelsberger vor der Kamera den Gemüseeintopf Shakshuka zu, ordnete den Stand der laufenden Tarifverhandlungen ein («Was da bisher von den Arbeitgebern am Verhandlungstisch rüberkommt, ist ein bisschen fad») und gab Kochtipps («Man kann nicht zu viel Olivenöl nehmen!»).

Erneut warf Zitzelsberger den Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern vor, sich in den bisherigen vier Verhandlungsrunden nicht bewegt zu haben. Zuletzt hatten beide Seiten am vergangenen Dienstag zusammengesessen. Eine weitere Runde soll noch vor Ostern stattfinden.

Die IG Metall fordert unter anderem vier Prozent mehr Geld - entweder in Form von Lohnsteigerungen oder als zumindest partiellen Ausgleich, wenn ein Betrieb in der Krise die Arbeitszeit reduziert. Der Arbeitgeberverband Südwestmetall lehnt das ab und fordert stattdessen, tarifliche Sonderleistungen zu kürzen. Das wiederum will die Gewerkschaft nicht mitmachen.

Mehr als 29 000 Beschäftigte von mehr als 150 Betrieben im ganzen Land beteiligten sich nach IG-Metall-Angaben am Freitag an Warnstreiks. Überwiegend gab es wegen der Corona-Lage sogenannte Frühschluss-Aktionen, unter anderem bei Audi in Neckarsulm und Porsche in Stuttgart, an einigen Orten aber auch Kundgebungen.

Dass die Gewerkschaft die Internet-Aktion und weitere Warnstreiks schon vor der vierten Verhandlungsrunde geplant und angekündigt hatte, war bei den Arbeitgebern auf scharfe Kritik gestoßen. Sie hatten der IG Metall vorgeworfen, an Fortschritten offenbar gar nicht ernsthaft interessiert zu sein.

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