Baden-Württemberg

Silvester im Südwesten: «Straßen und Plätze blieben leer»

Silvester – Stuttgart
Leer ist in der Silvesternacht der Schlossplatz in der Stuttgarter Innenstadt. Foto: Christoph Schmidt/dpa © Christoph Schmidt

Stuttgart (dpa/lsw) - Die Polizei in Baden-Württemberg hat in der Silvesternacht mehr als 2750 Verstöße gegen die Corona-Verordnung festgestellt. Davon waren unter anderem 1300 Verstöße gegen die Ausgangsbeschränkungen nach 20.00 Uhr, rund 550 Verstöße gegen die Maskenpflicht und 250 Verstöße gegen die Abstandsregeln, wie das Innenministerium am Freitag mitteilte. Im Vergleich zu früher verlief der Jahreswechsel nach Angaben der Polizeipräsidien deutlich ruhiger. Dennoch habe es auch wieder vereinzelt Brände durch Feuerwerkskörper, blutige Streitigkeiten und Unfälle mit Betrunkenen gegeben.

Innenminister Thomas Strobl (CDU) zog eine positive Bilanz: «Die Bevölkerung hat in der Silvesternacht die Regeln, die für den Infektionsschutz unbedingt notwendig sind, ganz überwiegend eingehalten», sagte er laut Mitteilung. «Jeder einzelne Verstoß ist ein Zeichen von mangelnder Solidarität gegenüber der gesamten Gesellschaft und vor allem gegenüber denen, die sich an die Infektionsschutzmaßnahmen halten.»

Auch die Einsatzkräfte bewerten die Silvesternacht positiv. Mannheims Polizeipräsident Andreas Stenger beispielsweise erklärte: «Es war insgesamt friedlich und ruhig. Natürlich wurde geböllert, aber zumeist nur auf dem privaten Gelände.» Zudem habe es keine Menschenansammlungen im öffentlichen Raum gegeben: «Vielmehr waren viele Straßen in den Innenstädten der Region menschenleer.»

Das Polizeipräsidium Aalen (Ostalbkreis) zog ebenfalls eine positive Bilanz. «Dennoch gab es auch wenige Unvernünftige, die sich entgegen aller Appelle zu Partys trafen, sich gegen Mitternacht auf die Straße begaben oder Widerstand gegen polizeiliche Maßnahme leisteten und dadurch die Bilanz trüben», hieß es in der Mitteilung. Ein Beispiel: Kurz vor 23.00 Uhr lösten die Beamten eine Feier in Aalen mit elf Menschen auf. Alle erhielten eine Anzeige. Ein 48-Jähriger versuchte vergeblich, den Beamten zu entkommen, indem er sich einsperrte.

Die Feuerwehr Heilbronn bezeichnete den letzten Tag des Jahres 2020 als «unspektakulär». Die Einsatzkräfte befreiten eine ältere Dame aus einem Aufzug und fingen einen streunenden Hund ein, den sie dem Besitzer übergaben. Die Silvesternacht blieb dagegen ruhig. Die Feuerwehr rückte zu keinen Einsätzen aus. «Für alle Kollegen, welche öfters schon Dienst am 31. Dezember hatten, war diese Ruhe eher ungewöhnlich, aber aufgrund der strengen Verhaltensregeln nicht außergewöhnlich», hieß es in der Mitteilung.

Anders sah es in Bad Säckingen (Landkreis Waldshut) aus. Hier verursachte nach Polizeiangaben vermutlich eine im Mülleimer entsorgte abgebrannte Feuerwerksbatterie einen Garagenbrand, der auch zwei Autos und zwei Häuser in Mitleidenschaft zog. Sachschaden: 200 000 Euro. Zwei Bewohner seien mit Verdacht auf Rauchgasvergiftungen ins Krankenhaus gekommen, teilten die Beamten weiter mit.

In Stuttgart blieben die Verstöße gegen die Infektionsschutzmaßnahmen überschaubar. Wenige Menschen hätten die Ausgangssperre missachtet. Verletzungen oder Brände meldeten die Behörden nicht. Im Einsatz waren die Beamten dafür wegen zahlreicher Demonstrationen gegen die Corona-Politik der Bundes- und der Landesregierung. Dabei hätten viele Teilnehmer Mindestabstände nicht eingehalten und keine Masken getragen, so dass die Polizei mehrere Veranstaltungen auflöste.

Um die Einhaltung der Corona-Verordnung in der Silvesternacht zu überwachen, hatte die Polizei im Südwesten verstärkt Kontrollen angekündigt. Das Abbrennen von Feuerwerkskörpern im öffentlichen Raum war ebenso verboten wie zuvor schon deren Verkauf. Auch in der Silvesternacht galten die Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen.

Einem fragwürdigen Silvesterbrauch frönten derweil Feiernde in Reutlingen und zerstörten dabei mit einer Sektflasche die Heckscheibe eines geparkten Autos. Als Polizisten bei Anwohnern klingelten, gaben diese den Angaben nach an, «aus Tradition Gläser und eine Flasche aus dem Fenster geworfen zu haben».