Baden-Württemberg

SPD schlägt «Schutzschirm» für corona-geplagte Schüler vor

Ex-Kultusminister und SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch
Ex-Kultusminister und SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch spricht bei einem Online-Parteitag der SPD Baden-Württemberg. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild © Sebastian Gollnow

Stuttgart (dpa/lsw) - Ex-Kultusminister und SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch will als Reaktion auf die großen Belastungen in der Corona-Zeit für Schülerinnen und Schüler einen «Schutzschirm» aufspannen. «Ich habe das Gefühl, dass unsere Kinder bei dieser Krise wieder und wieder vergessen werden», sagte Stoch der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. «Die großen Verlierer der Corona-Krise sind, neben den vielen Betrieben und Kulturschaffenden, unsere Kinder. Deshalb braucht es im Sommer einen Schutzschirm für unsere Schülerinnen und Schüler.»

Der SPD-Partei- und -Fraktionschef und Vorgänger von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) legt nun einen Plan mit sieben Maßnahmen vor, die seine Partei im Fall einer Regierungsbeteiligung nach der Landtagswahl umsetzen will. Das Papier liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Die Kosten des Pakets haben die Genossen allerdings noch nicht berechnet.

Stoch erklärte, Eltern machten sich Sorgen, ob ihre Kinder zu wenig Unterricht hatten und vielleicht den Anschluss verloren haben. Es wisse niemand, wie gut oder wie schlecht das Lernen mit digitalem Fernunterricht, Betreuungsstress und zu wenig sozialen Kontakten im Lockdown funktioniert habe. «Wir wollen den Schülerinnen und Schülern und den Eltern in unserem Bundesland die Zuversicht und den Mut zurückgeben», heißt es in dem Papier. Als erste gelte es deswegen zu ermitteln, wo die Schüler jeweils stehen und sie danach individuell zu fördern.

Die SPD will Lernstandserhebungen machen, um zu sehen, wo die Defizite und der genaue Förderbedarf liegen. Die Schulleitungen sollen mehr Freiheiten bekommen, wofür sie die vorhandenen Ressourcen an Stunden und Lehrkräften einsetzen. So soll entschieden werden, in welchen Fächern es besonderen Nachholbedarf gibt. Entsprechend sollen die Stunden dorthin umgeschichtet werden können.

Stoch plädiert dafür, dass es in jeder Schule Lehrkräfte geben sollte, die als Coaches arbeiten und bestimmte Schüler betreuen. Sogenannte Poolstunden sollten für individuelle oder gruppenbezogene Fördermaßnahmen wie etwa Lernwerkstätten genutzt werden.

Aber der SPD-Chef will nicht alles bei den Lehrern abladen. Er plädiert dafür, 10 000 Unterstützer in die Schulen zu holen, um die Lücken der Kinder und Jugendlichen aufzuholen. Der Ex-Minister will neben 1000 zusätzlichen Lehrerstellen auch deutlich mehr Pädagogische Assistentinnen und Assistenten - ein bis zwei Stellen je nach Schulgröße. Auch die Schulsozialarbeit soll ausgebaut werden. Hier will die SPD Gespräche mit dem Bund über die Finanzierung führen. Zudem soll es mehr Lernpartnerschaften mit Ehrenamtlichen geben. Studentinnen und Studenten, die hier mitmachen, sollen Vorteile im Studium haben.

Stoch will Kindern und Eltern den Druck nehmen, wenn coronabedingt die Noten schlecht sind. Er schlägt vor, dass Eltern für zwei Jahre das Wahlrecht erhalten sollen, ihre Kinder freiwillig wiederholen zu lassen, ohne dass dies angerechnet wird. Wer das nicht will, kann nach Vorstellung der SPD auf Kosten der Schulen Nachhilfe nehmen. Sie will den Schulen mindestens 40 Millionen Euro in die Hand geben, damit diese externe Nachhilfeinstitutionen mit Sommerkursen beauftragen können.

Und damit nicht jede Lehrerin und jeder Lehrer ständig seinen nun vom Staat neuangeschafften Rechner selbst einrichten und warten muss, soll jede Schule eine eigene IT-Fachkraft bekommen.

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