Innenpolitik

Staatsanwaltschaft weitet Ermittlung zu Strobl-Affäre aus

Thomas Strobl (CDU)
Baden-Württembergischer Innenminister Thomas Strobl (CDU). © Marijan Murat

Stuttgart (dpa/lsw) - Die Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen wegen der Weitergabe eines Anwaltsschreibens an einen Journalisten durch Innenminister Thomas Strobl (CDU) nochmal erweitert. Nun werde auch gegen einen Mitarbeiter des Ressorts ermittelt, teilte das Ministerium am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart mit. «Minister Strobl hatte bereits erklärt, dass er dem Journalisten den Brief zugesagt und die Übersendung durch einen Mitarbeiter veranlasst hat. Gegen diesen Mitarbeiter des Innenministeriums wird inzwischen von der Staatsanwaltschaft ebenfalls ermittelt», sagte ein Sprecher.

Die Anklagebehörde hatte am Mittwoch mitgeteilt, sie ermittele gegen den Journalisten und den Minister. Der Reporter wird verdächtigt, aus amtlichen Dokumenten des laufenden Verfahrens gegen den Polizisten zitiert zu haben. Strobl wiederum soll ihn dazu angestiftet haben. Am Freitagabend durchsuchte die Anklagebehörde das Ministerium und stellte Unterlagen sicher. Der Minister steht wegen der Affäre massiv unter Druck, die Opposition forderte am Wochenende erneut seine Entlassung.

Im Zentrum der Affäre stehen eigentlich Ermittlungen gegen einen führenden Polizisten wegen des Verdachts der sexuellen Belästigung. Der Mann soll einer Hauptkommissarin in einem Videochat angeboten haben, ihr bei der Karriere zu helfen, wenn sie ihm sexuell zu Diensten sei. Strobl hatte am Mittwoch eingeräumt, im Dezember einem Journalisten ein Schreiben des Anwalts des Polizisten weitergegeben zu haben. In dem Schreiben hatte der Anwalt des suspendierten Beamten dem Ministerium ein persönliches Gespräch angeboten, das für beide Seiten besser sei als ein juristisches Verfahren. Strobl erklärte nun, dies sei ein «vergiftetes Angebot» gewesen. Er habe für «maximale Transparenz» sorgen wollen.