Baden-Württemberg

«Strategiedialog» zieht Halbzeitbilanz

«Strategiedialog Automobilwirtschaft BW»
Kretschmann bei der Präsentation der Zwischenbilanz zum «Strategiedialog Automobilwirtschaft BW». Foto: Sebastian Gollnow/dpa © Sebastian Gollnow

Stuttgart (dpa/lsw) - Mit großer Einigkeit und durchaus zufrieden blicken die Landesregierung und die heimische Autobranche auf die Halbzeitbilanz ihres «Strategiedialogs». Man habe in den dreieinhalb Jahren seit Beginn viel erreicht, betonte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Donnerstag beim Spitzentreffen mit den Konzernchefs in Stuttgart. Der Südwesten habe sich national und international mit anderen Automobilstandorten vernetzt, Kooperationen angestoßen, die Elektrifizierung vorangebracht und viel Geld in die Entwicklung von Batterien, aber von auch synthetischen Kraftstoffen und der Brennstoffzelle gesteckt.

«Wir haben Baden-Württemberg zum Musterland für die Elektrifizierung gemacht», sagte Kretschmann. Ein dichtes Netz von Ladesäulen überziehe das Land, kürzlich sei in Stuttgart der erste mitten in der Stadt liegende Schnellladepark für E-Autos eröffnet worden.

Es bleibe aber viel zu tun - erst recht, weil die Corona-Pandemie die ohnehin hohen Belastungen für die Unternehmen nun noch vervielfache. Am Ziel ließ Kretschmann aber keinen Zweifel: Baden-Württemberg soll Autoland bleiben. «Wir wollen, dass unser Land auch in den alternativen und fortschrittlichen Technologien im Bereich Automobil weltweit eine führende Rolle innehat», sagte er. Das Auto der Zukunft müsse hier vom Band rollen, Arbeitsplätze müssten gesichert und neue geschaffen werden.

Damit das klappt, hat sich der «Strategiedialog» für die kommenden Jahre drei große Themen als Schwerpunkte auf die Fahnen geschrieben: Klimaschutz, Digitalisierung und die Stärkung des Mittelstands. Im Digital-Bereich etwa seien Vernetzung, künstliche Intelligenz und die Entwicklung der immer wichtigeren Betriebssysteme der Autos die maßgeblichen Treiber. «Wir müssen es sein, die dieses neue digitale Ökosystem gestalten», sagte Kretschmann.

Das Land und die Automobilindustrie hatten ihre Zusammenarbeit im Mai 2017 ins Leben gerufen, um damit gemeinsam den Wandel in der Branche anzugehen. Das Format ist auf sieben Jahre angelegt. Neben den Herstellern Daimler und Porsche sind auch der Zulieferer Bosch und das Energieunternehmen EnBW, die IG Metall und die Umweltschutzorganisation BUND dabei. Die jährlichen «Top-Level-Meetings» sind dabei nur ein kleiner Teil. Die eigentliche Arbeit an konkreten Projekten findet fortlaufend in verschiedenen, nach Themen sortierten Arbeitsgruppen statt.

Die Chefs der großen Konzerne warnten erneut davor, sich bei den politischen Vorgaben und der Förderung zu sehr auf die Batterie zu konzentrieren. «Wir wollen den Klimaschutz technologieoffen», sagte Bosch-Chef Volkmar Denner, der schon seit langem vehement auch für die Brennstoffzelle und den Einsatz synthetischer Kraftstoffe wirbt - und auch für eine Weiterentwicklung des Dieselmotors.

Mit Blick auch auf die Pläne von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die CO2-Ziele jetzt nochmals zu verschärfen, mahnten die Autobosse mehr Planungssicherheit an. «Wir haben nichts gegen ehrgeizige Ziele», sagte Porsche-Vorstandschef Oliver Blume. «Aber sie müssen verlässlich und planbar sein.»

BUND-Landeschefin Brigitte Dahlbender äußerte allerdings Zweifel, ob der «Strategiedialog» auch das abbilde, was die Bevölkerung sich wünsche. «Für die Menschen steht die Bewältigung der Klimakrise im Vordergrund», sagte sie. Dazu müsse man die Mobilität insgesamt in den Blick nehmen und nicht nur über neue Antriebe und Infrastruktur reden. «Es ist die Aufforderung, weiter zu denken», betonte sie.