Digitalisierung

Strobl wirbt für Cybersicherheit und digitale Souveränität

Thomas Strobl
Thomas Strobl, Innenminister von Baden-Württemberg und CDU-Landeschef. © Bernd Weißbrod

Stuttgart (dpa/lsw) - Der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) hat am Mittwoch seine Forderung nach höheren Investitionen in Cybersicherheit bekräftigt und für digitale Souveränität geworben. «Wir müssen auch im Netz wehrhaft sein und uns verteidigen können», sagte er auf dem Cybersicherheitsforum in Stuttgart, das von seinem Ministerium veranstaltet wurde. Landesverteidigung finde heute nicht mehr nur territorial statt, sagte Strobl mit Blick auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine.

«Der Krieg in der Ukraine zeigt uns ganz unmissverständlich und schonungslos: Kriege werden heute auch über das Netz geführt», sagte Strobl. Cyberangriffe, Propaganda und Desinformation seien Teil des Kriegs. Dagegen müsse sich Baden-Württemberg wappnen. «Wir müssen künftig nicht nur für die territoriale Souveränität, sondern auch für die digitale Souveränität Sorge tragen», so Strobl.

Dem Innenministerium lägen konkrete Hinweise vor, wonach Hackerangriffe unmittelbar bevorstehen könnten. «Wir müssen deshalb verstehen: Ein hohes Maß an Cybersicherheit wird uns auch etwas kosten. Sicherheit kostet Geld», so Strobl. Weitere Investitionen in die Cybersicherheit seien notwendig. «Denn das sind Investitionen in die Sicherheit unseres Landes, in unsere Versorgungssicherheit und die Unversehrtheit unserer lebenserhaltenden Infrastrukturen.»

Bei der Veranstaltung verlieh Strobl mit Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) auch den Sicherheitspreis Baden-Württemberg. Mit diesem zeichneten sie besondere Projekte aus, «die auf beispielhafte Weise die betriebliche Sicherheit und insbesondere den Schutz des Know-how zum Ziel haben», sagte Strobl.

Mit dem ersten Platz wurde das Familienunternehmen Pilz aus Ostfildern (Kreis Esslingen) ausgezeichnet. Das Unternehmen aus der Automatisierungsbranche war laut einer Mitteilung 2019 Opfer eines schwerwiegenden Cyberangriffs geworden. Demnach seien Daten auf Servern und Rechenzentren weltweit verschlüsselt worden, um Lösegeld vom Unternehmen zu erpressen.

«Wir wollten nicht bezahlen und uns nicht erpressen lassen», sagte Geschäftsführer Thomas Pilz der Deutschen Presse-Agentur. 5,7 Millionen Euro habe es das Unternehmen gekostet, um die IT-Arbeitsumgebung wieder aufzubauen. Laut Pilz ein Vielfaches von dem, was die Hacker gefordert hatten. Es sei keine Schande, gehackt zu werden. «Deshalb sind wir damit offensiv umgegangen, um andere Unternehmen zu sensibilisieren», sagte Pilz. Intern gebe es regelmäßige Schulungen. «Der Schock saß tief, da passen die Mitarbeiter sehr genau auf, weil keiner will, dass das nochmal passiert.»

Ein ausgeprägtes Bewusstsein der Unternehmen für Sicherheitsfragen sei wichtiger denn je, um den wirtschaftlichen Erfolg des Landes zu erhalten und auszubauen, teilte Hoffmeister-Kraut mit. Die Bedrohung von Daten und Wissen sei leider zu einem ständigen Begleiter in den betrieblichen Abläufen geworden.