Baden-Württemberg

«T wie Tübingen»: Südwest-Ortsnamen bald in aller Munde

Ortsschild Landkreis Tübingen
Ein Auto fährt an einem Ortsschild vorbei, auf dem Landkreis Tübingen steht. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild © Sebastian Gollnow

Tübingen/Stuttgart (dpa/lsw) - «S wie Stuttgart» und «T wie Tübingen»? Die beiden Städte im Südwesten können sich über die mögliche Aufnahme ihres Namens ins Buchstabier-Alphabet der Verwaltung freuen. «Vom damit verbundenen Bekanntheitsgrad würden wir als vergleichsweise kleine Stadt besonders profitieren», sagte ein Sprecher der Stadt Tübingen. Das Deutsche Institut für Normung (DIN) arbeitet an einer neuen Fassung der Buchstabiertafel für Wirtschaft und Verwaltung mit Orts- statt Vornamen.

Die DIN 5009 regelt, mit welchen Worten beim Diktieren Buchstaben verdeutlicht werden. Sie wird vor allem in Wirtschaft und Verwaltung genutzt, Rettungsdienste, Polizei oder Luftfahrt sind nicht betroffen. Verpflichtend ist die Nutzung nicht, sie kommt aber in Ausbildung und Lehrbüchern vor.

Bislang werden vor allem Vornamen («C wie Cäsar», «E wie Emil») genutzt - und zwar 16 Männer- und nur sechs Frauennamen. «Das entspricht nicht der heutigen Lebensrealität», teilte das Institut mit. Es sei nicht möglich, alle relevanten ethnischen und religiösen Gruppen und dann auch noch geschlechtergerecht ausgewogen darzustellen. Städtenamen seien ein guter Kompromiss.

Laut DIN wurde in dem Entwurf versucht, westdeutsche und ostdeutsche Bundesländer ausgeglichen auszuwählen. Etwa ein Drittel der 26 Städte ist im Osten. Spitzenreiter mit sieben Städten - etwa Wuppertal und Xanten - ist Nordrhein-Westfalen, dahinter folgt Bayern.

Baden-Württemberg hat mit Tübingen und Stuttgart zwei Städte im Rennen. Saarland, Rheinland-Pfalz, Bremen, Hamburg und Sachsen-Anhalt gehen nach derzeitigem Stand leer aus.

Bei «Eszett» und «Ypsilon» bleibt es bei der einfachen Bezeichnung der Buchstaben. Die Umlaute heißen nicht mehr «Ärger», «Ökonom» und «Übermut», sondern Umlaut-A, Umlaut-O und Umlaut-U.

«Die neue Buchstabiertafel sorgt dafür, dass Tübingen buchstäblich in aller Munde ist», hieß es aus der Stadt. «T wie Tübingen – das ist gut für das Selbstverständnis der Stadt und stärkt Tübingen als Wirtschaftsstandort und touristisches Ziel.»

Das DIN arbeitet schon seit vergangenem Herbst an den neuen Diktierregeln. Ausgelöst hat die Reform Michael Blume, Baden-Württembergs Antisemitismusbeauftragter. Ihn stört, dass in der aktuellen Tafel noch immer Relikte aus der Zeit der Nationalsozialisten stecken. Die hatten 1934 alle jüdischen Namen entfernt: Aus David wurde Dora, aus Nathan Nordpol, aus Samuel Siegfried. Zwar wurde die Tafel nach 1945 einige Male überarbeitet. Zum Beispiel «Siegfried» blieb aber weiterhin gebräuchlich - jetzt könnte daraus «Stuttgart» werden.

Die Ende Juli vorgestellte Fassung mit den Ortsnamen ist ein Entwurf, Interessierte können sich noch mit Ideen und Kommentaren an das Deutsche Institut für Normung wenden. Die endgültige Fassung wird Mitte 2022 erwartet.

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