Baden-Württemberg

Therapeuten beraten bei Kongress über Wege aus Essstörungen

Schrfitzug "Praxis für Psychotherapie"
Ein Schild weist auf eine Praxis für Psychotherapie hin. Foto: Jens Wolf/zb/dpa/Archivbild © Jens Wolf

Tübingen (dpa/lsw) - Magersucht, Bulimie (Ess-Brech-Störung), Binge-Eating (Starke Essattacken) sind Essstörungen, die eine Therapie erfordern. Doch noch immer wissen Experten nicht genau, welche Mechanismen zu welcher Störung führen. Neueste Ansätze und Theorien dazu wollen Therapeuten aus Deutschland bei einem Online-Kongress der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen in Tübingen am Donnerstag und Freitag diskutieren.

«Magersucht ist die gefährlichste psychische Erkrankung mit der höchsten Sterberate. Binge-Eating dagegen ist die häufigste Störung», sagt Kongresspräsident Stephan Zipfel. Er ist Ärztlicher Direktor der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Universitätsklinik in Tübingen.

Studien belegen laut Zipfel, dass die Magersucht (Anorexia nervosa) im Teenageralter beginnt, meist zwischen 12 und 14 Jahren. Die Bulimie sei nachweislich bei betroffenen Menschen im Alter zwischen 16 und 18 Jahren zu finden. Und die Binge-Eater entwickelten ihre Störung zwischen 18 und 25 Jahren.

Ärzte, Psychologen und Ernährungswissenschaftler verzahnen sich laut Zipfel immer stärker miteinander, um individuelle Therapien für das breite Spektrum der Essstörungen zu entwickeln. Aber auch Grundlagenwissenschaftler seien von Bedeutung, denn sie schauten sich an, wie sich das Sättigungsverhalten im Gehirn auswirke.

«Wir sind immer noch dabei, herauszufinden, was der Auslöser dafür ist, das ein Mensch X mit einem Verhalten Y reagiert. Wir suchen die Achillesferse und es braucht noch viel Forschung», erklärt Zipfel. Bislang sehe man, dass viele Therapien Wirkung zeigten. «Aber wir können noch nicht sagen, welche Therapie wirksamer ist als die andere.»

Mit dem Kongressthema «Von den Mechanismen zur Intervention» wollen die Experten aktuelle Aspekte des gesamten Spektrums der Essstörungen miteinander besprechen. «Wir werden uns die Frage stellen, welche neuen Forschungsergebnisse zu den zugrundeliegenden Mechanismen uns helfen, die Therapie von Essstörungen weiterzuentwickeln und zu verbessern», sagt Zipfel. Dabei spiele immer eine wichtige Rolle, ob die etablierten und neuen therapeutischen Angebote und Interventionen von den Patienten sowie ihrem sozialen Umfeld angenommen würden.

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