Baden-Württemberg

Trauer um Freiburger Moraltheologen Eberhard Schockenhoff

Eberhard Schockenhoff schaut in die Runde
Eberhard Schockenhoff schaut in die Runde. Foto: picture alliance / dpa © Uli Deck

Freiburg (dpa/lsw) - Der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff ist tot. Er starb am Samstag in Freiburg im Alter von 67 Jahren, wie der Dekan der katholischen theologischen Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Ferdinand Prostmeier, am Sonntag bestätigte. Zuvor hatte der Südwestrundfunk (SWR) berichtet, Schockenhoff sei an den Folgen eines Unfalls gestorben. Der in Stuttgart geborene Schockenhoff galt innerhalb der katholischen Kirche als kritischer Geist und war laut der Universität einer der bedeutendsten Moraltheologen Deutschlands.

Schockenhoff studierte in Tübingen und Rom und wurde 1978 zum Priester geweiht. Von 1986 bis 1989 arbeitete er an der Universität Tübingen als Assistent des späteren Bischofs und Kardinals Walter Kasper. Seit 1990 war Schockenhoff Professor für Moraltheologie, die ersten vier Jahre in Regensburg und seit 1994 in Freiburg.

Von 2001 bis 2016 war er zudem Mitglied des Nationalen Ethikrates, von 2005 bis 2012 als stellvertretender Vorsitzender. Seit 2016 war er Präsident des katholischen akademischen Ausländer-Dienstes (KAAD), der mit Stipendien wissenschaftliche Nachwuchskräfte fördert.

«Mit Professor Eberhard Schockenhoff haben wir einen einflussreichen Theologen verloren, dessen Stimme weit über die Grenzen der katholischen Kirche Gehör fand», sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Sonntag: «Seine Beiträge zu kirchlichen und gesellschaftlichen Debatten waren immer geprägt von visionären Ideen.» Seine Positionen etwa zu den Grundzügen der Friedensethik, zu medizinethischen Fragen oder zur katholischen Sexualmoral «zeugten von seinem scharfen Verstand und analytischen Fähigkeiten.»

«Professor Schockenhoff zeichnete eine visionäre Kraft in seinem theologischen Forschen und Reden ebenso aus wie eine bemerkenswerte analytische Brillanz in seinem Fachgebiet der Moraltheologie aber auch bei Fragen von Kirche und Gesellschaft», sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing. Er habe nie mit einem erhobenen Zeigefinger gelehrt oder in Verbotskategorien gedacht. «Im Gegenteil: Ihm war es ein Anliegen, vom Menschen und dessen Gewissen her zu denken und so Moral und Ethik für den Menschen und die Kirche verstehbar und lebbar zu machen», sagte Bätzing.

Die katholische Kirche verliere mit Schockenhoff «einen ihrer profiliertesten Moraltheologen und Sozialethiker», sagte der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst. Er habe vor allem zu bio- und medizinethischen Fragen Stellung genommen und so die Debatte gestaltet und beeinflusst. Zudem habe er bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals geholfen. Der Freiburger Erzbischof Stephan Burger würdigte Schockenhoff als «engagierten sowie geschätzten Theologen und Priester». Er werde der Kirche und Wissenschaft fehlen.