Baden-Württemberg

Trisomie-Bluttests als Kassenleistung? Bündnis schlägt Alarm

Schwangerschaft
Eine Hebamme tastet den Bauch einer schwangeren Frau ab. Foto: Caroline Seidel/dpa © Caroline Seidel

Hürth/Stuttgart (dpa/lsw) - Ein Bündnis aus Medizinern, Hebammen, Behindertenverbänden und kirchlichen Organisationen will die geplante Kassenzulassung von vorgeburtlichen Bluttests auf Trisomien in ihrer jetzigen Form stoppen. Es stehe zu befürchten, dass die Untersuchung unter den angepeilten Rahmenbedingungen «so häufig angewandt wird, dass dies faktisch einer Reihenuntersuchung gleichkommt», heißt es in einem offenen Brief, den das Bündnis am Donnerstag veröffentlichte. Die Unterzeichner, darunter der Berufsverband niedergelassener Pränatalmediziner, fordern darin den Bundestag auf, erneut zu dem Thema zu beraten.

«Es werden jetzt Fakten geschaffen für eine breite Selektion von Föten mit Down-Syndrom, ohne dass der Bundestag darüber debattiert hat», hatte Annette Noller, Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Württemberg, bereits im Februar in einem offenen Brief gemahnt.

Der sogenannte NIPT (Nicht-invasiver Pränataltest) steht kurz vor der Zulassung als Kassenleistung. Bislang muss er meist von den Eltern selbst bezahlt werden. Bei dem Test wird eine Blutprobe der werdenden Mutter auf bestimmte Erbgutfehler des Fötus untersucht: etwa auf eine Trisomie 21, bei der das Chromosom 21 dreifach vorhanden ist und die mit unterschiedlich ausgeprägten körperlichen und geistigen Auffälligkeiten einhergeht. Der Bundestag habe sich in einer früheren Debatte klar gegen eine Reihenuntersuchung ausgesprochen, heißt es in dem Offenen Brief. Diese Anforderung sei aber im Zulassungsverfahren nicht ausreichend berücksichtigt worden.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), ein Gremium, das Ärzte, Krankenkassen und Kliniken zusammenbringt, hat bereits 2019 grundsätzlich entschieden, dass der NIPT Kassenleistung werden soll. Noch stehen jedoch Abstimmungsschritte aus. Mit der finalen Zulassung wird nicht vor Sommer gerechnet.

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