Oberrhein

Trockenheit verhindert eine Stechmückenplage

Mücke
Mücke © Patrick Pleul

Speyer (dpa) - Nach einer Schnakenplage im vergangenen Jahr ist die Lage in diesem Sommer wieder entspannter für die Stechmückenbekämpfer am Oberrhein. «Diese Insekten brauchen temporäre Wasserflächen, um sich zu entwickeln, deshalb macht ihnen die derzeitige Trockenheit zu schaffen», erklärt Xenia Augsten von der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs). Der Sommer 2021 sei von Starkregen und Hochwasser und damit von günstigen Bedingungen für die Insekten geprägt gewesen.

In diesem Jahr sei der Helikopter bislang nur drei Mal ausgerückt, um den biologischen Wirkstoff Bti großflächig zu verteilen. Der Bacillus thuringiensis israelensis (Bti) ist unbedenklich für Hund, Katze, Maus und Menschen, für die Mückenlarven aber tödlich. Im verregneten Sommer 2021 waren Hubschrauber zwischen Mitte Mai und Anfang August viele Male zur Schnakenbekämpfung unterwegs.

Der letzte Hubschraubereinsatz der aktuellen Saison galt Ende Juni Flächen von ein oder zwei Hektar, wo fernab des Rheins Senken und Gräben durch punktuelle Starkregen überflutet worden waren. Im vergangenen Jahr sei hingegen das gesamte Kabsgebiet betroffen gewesen, erläutert der wissenschaftliche Kabs-Direktor Dirk Reichle. Der Wasserstand des Rheins sei derzeit auch nicht so hoch, dass Auwälder überflutet seien. In solchen Gebieten können sich die Tiere rasant ausbreiten.

Ziele des letzten Fluges waren in Rheinland-Pfalz Gommersheim, Worms, Fußgönnheim und Hahnheim. In Baden-Württemberg wurden Rastatt und Hockenheim, in Hessen Dornheim aus der Luft behandelt.

Mehr als 90 Kommunen am Oberrhein in Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg haben sich zur Kabs mit Sitz in Speyer zusammengeschlossen. Das Budget für das aktuelle Jahr beläuft sich laut Reichle auf 5,1 Millionen Euro; dazu tragen die Mitgliedsgemeinden je nach Einwohnerzahl bei. Neben den nicht billigen Wirkstoffen benötige der Verein Mittel für die Helikopterflüge und die Bezahlung der Mitarbeiter, sagte Reichle.

Die Arbeit sei sehr personalintensiv: Mitarbeiter müssen zu Fuß mögliche Brutstätten zunächst identifizieren. Nach Entdeckung einer relevanten Zahl von Eiern oder Larven sollten sie schnell reagieren. Denn zwischen dem Ei-Stadium bis kurz vor der Verpuppung der Culicidae liegen fünf Tage. «Verpuppte Insekten fressen ja nichts, damit wird das Bti wirkungslos.»

Die Kabs bekämpft auch Tigermücken. Zwei bis drei Mal pro Woche gehen Mitarbeiter in befallene Regionen, um mögliche Brutstätten in Gärten zu finden; darunter Regentonnen, Gießkannen oder Eimer. Das mit dem Bti versetzte Wasser wird zur tödlichen Falle für die Larven der Blutsauger. Eingesetzt werden neben Bti auch Insektenfallen - in Hecken aufgehängte dunkle, mit Wasser befüllte Plastiktöpfe; daran befestigte Holzstäbe laden die Weibchen zur Ablage der Eier ein.

Die Kabs hat sieben Populationen der «sehr aggressiven Stecher» im Blick: in Karlsruhe, Graben-Neudorf, Hockenheim, Ketsch (Baden-Württemberg), Germersheim und Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz) und in Oestrich-Winkel (Hessen).

In Ketsch verzeichnen die Kabs-Experten einen großen Erfolg. «Dort war der Leidensdruck im vergangenen Jahr sehr groß», erzählt Augsten. Die Leute hätten sich aus Angst vor den auch tagsüber aktiven Plagegeistern nicht in ihren Garten getraut. Dank der Mückenjäger sei die Lage weitgehend wieder unter Kontrolle: «Die Menschen freuen sich, wieder nach draußen zu können.»

Die Tigermücken kamen Reichle zufolge durch die Importe von «Happy Bamboos» aus Asien nach Europa. Die dekorativen Pflanzen sehen dem Bambus ähnlich, gehören aber zu den Drachenbäumen und brauchen für den Transport Wasser. Auch der weltweite Handel mit alten Autoreifen, in denen Wasser abgelagert ist, hat den Tieren den Weg nach Europa geebnet.

Die schwarz-weiß gemusterten Mücken sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts potenzielle Überträger von Krankheitserregern, etwa des Dengue-, Zika- oder Chikungunya-Virus. Die Infektion mit dem Zika-Virus wird für eine von geistigen Einschränkungen begleitete Schädel-Deformation von Föten und Neugeborenen verantwortlich gemacht.