Baden-Württemberg

«Turnaround» in Wolfsburg? Hoffenheim und Hoeneß gefordert

Sebastian Hoeneß
Sebastian Hoeneß gestikuliert. Foto: Uwe Anspach/dpa/Archivbild © Uwe Anspach

Sinsheim (dpa/lsw) - Trainer Sebastian Hoeneß ist «noch ruhig» und will sich und die Mannschaft der TSG 1899 Hoffenheim «nicht verrückt machen lassen». Nach dem entspannten 5:0-Sieg in der Europa League gegen den FC Slovan Liberec sind die Kraichgauer am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) nun gefordert, die Serie von vier sieglosen Spielen im Alltagsgeschäft zu beenden. Der Druck wächst - auch auf Neuling Hoeneß. «Jetzt wollen wir auch in der Bundesliga ein anderes Gesicht zeigen», sagte Mittelfeldspieler Florian Grillitsch.

Hoeneß findet zwar, dass in der Liga «die Leistungen im Großen und Ganzen passen». Bloß: Seit dem furiosen 4:1 gegen den FC Bayern München Ende September hat die TSG nicht mehr gewonnen und zuletzt zuhause ein herbes 1:3 gegen Union Berlin kassiert. «Wir wollen den Turnaround schaffen und mit einem guten Gefühl in die Länderspiel-Woche gehen», betonte Hoffenheims Coach am Freitag.

Gerade die Bundesliga-Pause wirft viele Fragen auf bei den Hoffenheimern. Sportchef Alexander Rosen hatte beim letzten Länderspiel-Block mächtig gegen die Reisen seiner Nationalspieler gewettert: Ausgerechnet der kroatische Torjäger Andrej Kramaric und der Ghanaer Kasim Adams waren danach positiv auf das Coronavirus getestet worden, dazu musste auch Pavel Kaderabek in Quarantäne.

Trotz der schlechten Erfahrungen will der Club die Nationalspieler für die nächste internationale Periode abstellen - wenn sie gesund sind. Bei der Entscheidung ist die TSG natürlich auch an die Regularien der FIFA gebunden. «Wir haben da gar keine Handhabe. Und grundsätzlich fahren die Jungs sehr gerne zur Nationalmannschaft», sagte Hoeneß. Auf die Frage, ob auch das Trio um Kramaric auf Reisen gehe, sagte der 38-Jährige: «Wir werden nur Dinge tun, die auch Sinn machen.»

Man sei in Abstimmung mit den Verbänden. Konkreter war zuvor Sportchef Alexander Rosen im Interview des TV-Senders Nitro, als er über Kramaric sagte: «Ich bin sehr froh, dass er nicht zur Nationalmannschaft geht.» Das Trio würde in Wolfsburg jedenfalls bereits im siebten Pflichtspiel hintereinander fehlen.

«Ich bin sicher, dass er im ersten Spiel nach der Länderspielpause wieder auf dem Platz steht», sagte Rosen über seinen schmerzlich vermissten Topstürmer. Der 29-Jährige soll wieder behutsam ans Mannschaftstraining herangeführt werden, hieß es zuletzt mehrfach.

Personell hat Hoeneß vor allem in der Defensive wenig Alternativen: Verletzt fehlen weiter Kapitän Benjamin Hübner, Ermin Bicakcic und Konstantinos Stafylidis, zudem ist Robert Skov in Wolfsburg gesperrt. Gegen eine von zahlreichen coronabedingten Ausfällen geplagte Mannschaft aus Liberec spielte das keine entscheidende Rolle: Mit dem dritten Sieg im dritten Gruppenspiel machte Hoffenheim «einen sehr großen Schritt in Richtung K.o.-Phase» (Hoeneß).

Die TSG hat gute Aussichten, erstmals in ihrer Vereinsgeschichte im internationalen Geschäft zu überwintern. In der Liga steht Hoffenheim derzeit aber nur auf Tabellenplatz zwölf direkt hinter Wolfsburg. Trotz einer Vielzahl von Angreifern wie Munas Dabbur und Sargis Adamyan, denen gegen die Tschechen jeweils ein Doppelpack gelang, ist Kramaric derzeit nicht zu ersetzen.