Baden-Württemberg

U wie Uhlandshöhe: Erste Waldorfschule der Welt

Freie Waldorfschule Uhlandshöhe
Eine Klasse sitzt in der Freie Waldorfschule Uhlandshöhe. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild © Sebastian Gollnow

Stuttgart (dpa/lsw) - Die Uhlandshöhe in Stuttgart ist die Wiege der praktizierten Waldorfpädagogik. Auf einem nach dem Dichter Ludwig Uhland benannten Hügel entstand vor mehr als 100 Jahren eine Schule, in der ganzheitliche Bildung, enger Zusammenhalt und Verzicht auf Leistungsdruck groß geschrieben wurden. Der Reformpädagoge Rudolf Steiner (1861-1925) und der Zigaretten-Fabrikant Emil Molt (1876-1936) gründeten am 7. September 1919 eine Schule für die Kinder der Arbeiter von Molts Waldorf-Astoria AG; eine Schule für Kinder aller Klassen, jeglicher Herkunft, Glauben und Nationalität, die momentan von 950 Schülern besucht wird. Befürworter der heutigen - auch gegen Kritik an vermeintlicher Gleichmacherei eingeführten - Gemeinschaftsschule sehen in der Waldorfschule einen Vorreiter.

Ein Alleinstellungsmerkmal ist die - oftmals belächelte - Eurhythmie. Diese Umsetzung von Text und Musik in Bewegung gilt als Basis für die soziale, künstlerische und kognitive Entwicklung. «Paukmaschinen» sind auf Waldorfschulen nicht gefragt. Weitere Merkmale: fester Klassenverband von der ersten Klasse bis zur Oberstufe, Entwicklungsbeurteilungen statt Noten, Leitung durchs Lehrerkollegium. Den Schülern werden alle staatlichen Abschlüsse ermöglicht. Die Schulen können sich ohne Schuldgeld nicht finanzieren. Aber in Härtefällen greifen Solidargemeinschaften von Lehrern und Eltern einkommensschwachen Familien unter die Arme, um den Schulbesuch ihres Nachwuchses zu ermöglichen.

Heute werden Jungen und Mädchen in 250 deutschen und 1150 Waldorfschulen außerhalb Deutschlands unterrichtet. Ein prominenter Waldorfschulabsolvent aus dem Südwesten ist Tübingens grüner Oberbürgermeister Boris Palmer.