Baden-Württemberg

Umfrage: Grüne mit acht Punkten Vorsprung stärkste Kraft

Landtag von Baden-Württemberg
Abgeordnete sitzen im Landtag von Baden-Württemberg. Foto: Sebastian Gollnow/dpa © Sebastian Gollnow

Stuttgart (dpa/lsw) - Kurz vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg haben die Grünen ihren Vorsprung auf die CDU nach einer neuen Umfrage noch einmal vergrößert. Nach einer Umfrage von Infratest dimap für die ARD-«Tagesthemen», die am Donnerstag veröffentlicht wurde, kommen die Grünen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann auf 33 Prozent der Stimmen und die CDU erreicht nur noch auf 25 Prozent. Die Union mit Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann verliert zwei Punkte im Vergleich zur Umfrage von Infratest dimap für den SWR und die «Stuttgarter Zeitung» von vor vier Wochen. Aber auch die Grünen büßen einen Punkt ein.

Während die grün-schwarze Koalition in der Corona-Pandemie an Boden verliert, gewinnen AfD und FDP dazu. Die größte Oppositionspartei AfD steigert sich um zwei Punkte auf zwölf Prozent, die FDP um einen auf zehn Prozent. Die SPD verliert einen Punkt und liegt nun mit den Liberalen gleichauf bei zehn Prozent. Die Linke kann einen Punkt hinzugewinnen, würde aber mit vier Prozent nicht den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde schaffen. Die Landtagswahl ist am 14. März.

Käme die Südwest-CDU wirklich nur auf 25 Prozent, wäre das ihr historisch schlechtestes Ergebnis in der Geschichte des Landes. Die Partei würde mit Kultusministerin Eisenmann auch die schwachen 27 Prozent unterbieten, die 2016 mit Spitzenkandidat Guido Wolf erreicht wurden. Vor fünf Jahren sah das Kräfteverhältnis so aus: Die Grünen kamen auf 30,3 Prozent, die CDU landete erstmals hinter der Ökopartei. Die AfD schaffte mit starken 15,1 Prozent den Sprung in den Landtag, die SPD rutschte auf historisch schlechte 12,7 Prozent ab, die FDP kam auf 8,3 Prozent und die Linke schwächelte mit 2,9 Prozent.

CDU-Generalsekretär Manuel Hagel sagte zu der neuen Umfrage: «Dieser Wert stimmt uns natürlich nicht zufrieden. Gleichwohl sind Umfragen eben Umfragen. Für die nächsten zehn Tage ist uns das Ansporn.» Die Grünen-Landesspitze aus Sandra Detzer und Oliver Hildenbrand erklärte: «Wir freuen uns über die anhaltend große Zustimmung für unsere Politik in einer herausfordernden Zeit.» FDP-Spitzenkandidat Hans-Ulrich Rülke freute sich über den Zuwachs: «Wir haben im November bei sechs Prozent angefangen und stehen nun - eine Woche vor der Wahl - offensichtlich bei zehn Prozent.» Es sehe so aus, als ob immer mehr Menschen die Liberalen in der Regierung haben wollten. SPD-Chef Andreas Stoch meinte, die Umfragewerte zeigten, dass die Weichen für eine neue Regierung in Baden-Württemberg gestellt seien. «Wer endlich mehr Einsatz für sichere Arbeitsplätze, Bildungskompetenz und bezahlbaren Wohnraum in der Landesregierung sehen möchte, muss am 14. März SPD wählen.»

Im persönlichen Vergleich hängt Kretschmann seine CDU-Herausforderin bei den Beliebtheitswerten weiter deutlich ab. Nach der Umfrage sind 67 Prozent mit der Arbeit von Kretschmann sehr zufrieden oder zufrieden - ein Minus von 2 Punkten. 29 Prozent sind weniger oder gar nicht zufrieden. Deutlich kritischer wird Kultusministerin Eisenmann bewertet. Ihre Arbeit findet bei 21 Prozent Zustimmung, auch sie verliert zwei Punkte. 55 Prozent sind nicht oder gar nicht zufrieden.

Bei der Frage, wen sie wählen würden, wenn der Ministerpräsident direkt gewählt würde, haben die Baden-Württemberger eine klare Präferenz: 65 Prozent der Befragten würden sich für Kretschmann entscheiden, 17 Prozent für Eisenmann.

Mit Grün-Schwarz sind derzeit 59 Prozent zufrieden oder sehr zufrieden - auch hier ein Minus von 2 Punkten. 38 Prozent sind weniger oder gar nicht zufrieden. Knapp die Hälfte der Bürgerinnen und Bürger (48 Prozent) wollen, dass die nächste Landesregierung von den Grünen geführt wird, während 33 Prozent sich wünschen, dass die CDU nach der Wahl eine Koalition anführt.

Die Grünen hätten nach der Umfrage zwei realistische Möglichkeiten, eine Regierung zu bilden. Sie könnten mit der CDU die grün-schwarze Koalition fortsetzen oder aber ein Ampel-Bündnis mit SPD und FDP eingehen. Beide hätten stabile Mehrheiten. SPD und FDP haben schon signalisiert, dazu bereit zu sein. Kretschmann will sich aber noch nicht festlegen.

Dagegen werden auch die theoretischen Chancen für eine Deutschland-Koalition aus CDU, SPD und FDP immer geringer. Die drei Parteien hätten zusammen 45 Prozent, aber auch Grüne und AfD kämen zusammengezählt auf 45 Prozent. Allerdings hat die SPD sowieso schon abgewunken: Die SPD-Basis lehne eine Deutschlandkoalition ab, hat Stoch mehrfach erklärt.

Die beiden Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz am 14. März gelten auch als erster Stimmungstest für den neuen CDU-Chef Armin Laschet, der mit dem CSU-Vorsitzenden Markus Söder über die Kanzlerkandidatur der Union entscheiden muss.

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