Pandemie und Inflation

Verband: Soziale Ungleichheit gestiegen

Eine Frau hält zwei Geldscheine und ein paar Münzen in der Hand
Eine Frau hält zwei Geldscheine und ein paar Münzen in der Hand. © Daniel Karmann

Stuttgart/Berlin (dpa/lsw) - Die Corona-Pandemie mit all ihren Folgen hat die Lage für ärmere Menschen und die Armutsgefährdung aus Sicht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands in Baden-Württemberg auch im vergangenen Jahr weiter verschärft. Der Anteil der in relativer Armut lebenden Menschen im Südwesten, die sogenannte Armutsquote, erreichte im zweiten Pandemiejahr mit 13,9 Prozent den höchsten Stand seit Jahren wie die Landesvorsitzende des Paritätischen, Ursel Wolfgramm, am Mittwoch sagte. Im Vergleich zum Jahr zuvor sei sie um 6,1 Prozent gestiegen, betroffen seien nun mehr als 1,5 Millionen Menschen im Land.

Allerdings bleibt Baden-Württemberg im bundesweiten Vergleich auf geringerem Niveau, wie aus dem in Berlin veröffentlichten Armutsbericht des Paritätischen Gesamtverbands hervorgeht. Bundesweit liegt die Quote bei 16,6 Prozent.

Die baden-württembergische Landesregierung müsse sich auf Bundesebene für höhere Regelsätze in der Grundsicherung einsetzen, sagte Wolfgramm. Auch das Wohngeld, das BAföG für Studierende und Zuverdienstmöglichkeiten von Menschen in der Grundsicherung müssten verbessert werden. «Diese dramatische Zunahme der Armut muss jetzt gestoppt werden», forderte Wolfgramm. Im laufenden Jahr träfen die steigende Inflation und explodierende Energiepreise Grundverdienende und Menschen mit Arbeitslosengeld II, umgangssprachlich auch Hartz IV, weiter hart. Unkompliziert und sehr effektiv seien eine kostenfreie Gemeinschaftsverpflegung in der Kindertagesbetreuung und an den Schulen und die teils kostenfreien Bus- und Bahnfahrten für Menschen in der Grundsicherung.

Der Bericht beruht auf Zahlen des Statistischen Bundesamts. Armut wird in wohlhabenden Ländern wie Deutschland nicht über direkte Not wie Hunger oder Obdachlosigkeit definiert. Im Zentrum steht vielmehr die Frage, ob das Haushaltseinkommen für gesellschaftliche Teilhabe reicht. Die Armutsgefährdungsquote gibt dabei den Anteil der Bevölkerung an, der mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens auskommen muss.