Baden-Württemberg

Verdi: Fehlende Bus- und Bahnfahrer gefährden Verkehrswende

U-Bahn der Stuttgarter Straßenbahnen
Wagen der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) U-Bahn U12 stehen an einer Haltestelle. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild © Sebastian Gollnow

Stuttgart (dpa/lsw) - Die Gewerkschaft Verdi sieht die ehrgeizigen Pläne der grün-schwarzen Landesregierung für den Nahverkehr in Gefahr. Landeschef Martin Gross sagte der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart, eine Verbesserung des Angebots von Bus und Bahn werde man definitiv nur mit deutlich besseren Arbeitsbedingungen erreichen. «Schon heute fehlen über 1000 Bus- und Straßenbahnfahrer.» Es finde sich fast niemand mehr, der zu diesen Belastungen und dieser Bezahlung diese verantwortungsvolle Aufgabe übernehme.

Die Lücke lasse sich nicht mit Anwerbekampagnen schließen. Notwendig seien verstärkte Anstrengungen der Arbeitgeber, um die Berufe im Nahverkehr attraktiver zu machen. Hauptproblem der Busfahrerinnen und -fahrer seien die ausufernden Schichtzeiten aufgrund der langen Standzeiten, die aber nicht bezahlt würden. «Einen Bus zu fahren ist sehr fordernd und belastend.» Die Fahrer müssten acht Stunden hochkonzentriert bei jedem Wetter durch jeden Verkehr fahren, sollten den Fahrplan einhalten und trügen zugleich die volle Verantwortung für ihre Fahrgäste.

Außerdem gebe es zu wenig Ausbildungsplätze für Bus- und Straßenbahnfahrer. Nur einige wenige kommunale Unternehmen hätten eigene Ausbildungskapazitäten. Sie bildeten aber nur für den Eigenbedarf aus.

Ein Sprecher des Verkehrsministerium sagte, im Interesse einer Verkehrswende hin zu einem Ausbau klimafreundlicher Verkehrsangebote müssten mehr Busse und Bahnen fahren. Dafür würden auch mehr Fahrerinnen und Fahrer gebraucht. Das Land sei für den regionalen Schienenverkehr verantwortlich und werbe zusammen mit den Eisenbahnverkehrsunternehmen schon seit Jahren, um Bewerberinnen und Bewerber für den Beruf als Lokführer zu gewinnen. «Für den Busverkehr sind die Landkreise zuständig und sie müssen sich um das notwendige Personal kümmern.»

Grün-Schwarz will die Fahrgastzahlen in allen öffentlichen Verkehrsmitteln bis 2030 verdoppeln, heißt es im Koalitionsvertrag. Gross sagte, die Ausschreibungspolitik, die bewusst fast nur über den Preis und nicht über die Qualität steuere, gefährde schon mittelfristig massiv die Funktionalität des Öffentlichen Personennahverkehrs. «Wir unterstützen die Mobilitätsziele der Landesregierung voll und ganz.»

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