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Vorsitzender von Lehrerverband will Leistungsprinzip zurück

Ralf Scholl - Philologenverband
Ralf Scholl - Philologenverband © Bernd Weißbrod

Karlsruhe (dpa/lsw) - Der Vorsitzende des Philologenverbandes Baden-Württemberg, Ralf Scholl, plädiert für die Rückkehr zum Leistungsprinzip im Unterricht. «Was wir an unseren Schulen brauchen, und was gar nichts kosten würde, ist die klare Ausrichtung: «Leistung muss sich wieder lohnen»», schreibt Scholl in einem Gastbeitrag für die «Badischen Neuesten Nachrichten» und das «Badische Tagblatt» (Samstag). «Schule ist ohnehin immer ein Schonraum, auch mit diesem Leistungsprinzip. Aber sie darf nicht zu einem alleinigen Schonraum verkommen.» Der Verband vertritt gymnasiale Lehrkräfte, darunter auch solche, die an Gemeinschafts- und Gesamtschulen unterrichten.

«In viel zu vielen Schulen ist das Leistungsprinzip mittlerweile tabu!», heißt es in dem Beitrag. Herausragende Leistungen würden nicht mehr positiv hervorgehoben und als Orientierung für alle herangezogen. «Vielmehr ist seit einem guten Jahrzehnt «das Nicht-Beschämen der Schüler» das Prinzip, an dem sich viel zu viele Lehrkräfte orientieren.» Das Schulprojekt «Grundschule ohne Noten», das Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) an 39 Grundschulen jüngst gestartet hat, ziele auch in diese Richtung: «Maximierung des Wohlfühlens der Kinder auf Kosten des Lernfortschritts.»

Ins gleiche Horn blies Michael Theurer am Samstag auf dem Kleinen Parteitag der Südwest-FDP in Bad Mergentheim (Main-Tauber-Kreis): Hier werde mit einer falschen Ideologie herangegangen, sagte der Landesparteichef der Liberalen. «Wir sind der Meinung, dass Noten eine wichtige Rolle haben als Anreiz für Schülerinnen und Schüler.»

Lehrerinnen und Lehrer haben aus Sicht des Verbandsvorsitzenden Scholl die Aufgabe, von den Schülern immer etwas mehr zu verlangen, als «von selbst» kommt: «Etwas mehr Tempo, etwas mehr Tiefgang», formulierte er es. Das liefere den Kindern und Jugendlichen die nötigen Erfolgserlebnisse und stärke sie für ihr künftiges Leben.

«Die Orientierung an anspruchsvollen Bildungszielen ist uns aber weitgehend verloren gegangen, sowohl für den Hauptschulabschluss wie für die Mittlere Reife und das Abitur», schreibt Scholl. Er spricht von einer «Verachtung von Noten» an vielen Gemeinschaftsschulen. «Die Vergabe von vielen wertlosen Zeugnissen ist aber gerade kein Kennzeichen einer guten Schule oder eines guten Schulsystems!»

Auch Gymnasien seien nicht von der Tendenz zu immer besseren Noten verschont: «Das letztjährige Corona-Abitur hatte den besten Abi-Durchschnitt im Ländle, den es jemals gab», legt der Verbandschef dar. «Und das, obwohl 30 Prozent der Bachelor-Studenten ihr Studium abbrechen, die Hälfte davon wegen Leistungsproblemen.»