Baden-Württemberg

Weinheim setzt Autorin Ingrid Noll ein Denkmal zu Lebzeiten

«Ingrid-Noll-Weg» in Weinheim
Ein Straßenschild mit der Aufschrift «Ingrid-Noll-Weg Station 3» hängt an einem Laternenpfahl. Foto: Uwe Anspach/dpa © Uwe Anspach

Weinheim (dpa) - Besucher von Weinheim können nun die Sehenswürdigkeiten der Stadt gemeinsam mit Deutschlands wohl bekanntester Krimiautorin Ingrid Noll virtuell erkunden. Die 86-Jährige schildert Ereignisse aus ihrem Leben, gibt Anekdoten zum Besten und liest Auszüge aus ihren Werken, die zu den 13 Stationen des Ingrid-Noll-Wegs passen. «Wir setzen der berühmtesten Bürgerin der Stadt ein Denkmal zu Lebzeiten», sagte Oberbürgermeister Manuel Just (CDU) am Mittwoch im Beisein der Autorin sowie des Präsidenten des Landeskriminalamtes, Andreas Stenger. Die Mannheimer Polizei hat die Meisterin des psychologisch subtilen, nie blutigen Krimis zur «Ehrenhauptkommissarin» ernannt.

Mittels QR-Codes auf den Schildern kann man nach Angaben der Stadt auf dem etwa eineinhalbstündigen Spaziergang die literarischen Kostproben auf sein Smartphone abrufen. So liest Noll bei der Station Heilkräutergarten aus einem Roman, in dem die Hauptfigur giftige Pflanzen sammelt und damit nichts Gutes im Schilde führt. An einem uralten Ginkgo-Baum erinnert sie an ihre Kindheit in China. Eine Passage stammt sogar bereits aus ihrem neuen Buch, das noch gar nicht veröffentlicht ist.

Die Botschafterin der Gemeinde, wo sie seit über 50 Jahren lebt, präsentiert auch den historischen Marktplatz, das alte Rathaus, das kurfürstliche Schloss und den Blick auf die Wachenburg und die Ruine Windeck. Die «Grande Dame des deutschen Krimis» hat alle Texte selbst geschrieben und im Tonstudio aufnehmen lassen.

Der literarische Pfad durch die Stadt ist nicht nur als Hommage für die bekannteste Bürgerin der Gemeinde mit 45.000 Einwohnern gedacht, sondern auch als Magnet für die vielen Fans der unermüdlichen Autorin aus ganz Deutschland und darüber hinaus. Es gibt noch keine Ingrid-Noll-Straße in der Kommune. Straßennamen werden nach einem Gemeinderatsbeschluss nicht an noch lebende Männer oder Frauen vergeben.

Noll hat erst im Alter von 55 Jahren mit dem Schreiben angefangen. Inzwischen sind etwa 20 Werke von ihr erschienen. Noll schreibt gerade einen Roman, der direkt in Weinheim spielt. «Ein sogenannter Heimatkrimi wird es jedoch nicht werden, aber die Einheimischen werden erfreut auf bekannte Lokalitäten stoßen.» Inhaltlich gehe es um Psychogramme, um menschliche Beziehungen, um verdrängte Probleme, die irgendwann nicht mehr unter den Teppich gekehrt werden könnten.

Ihr Lieblingsort in Weinheim sei eigentlich der Schreibtisch in ihrem Arbeitszimmer. Von dort könne sie in den Garten schauen, auf Bäume, in den Himmel. «Wenn ich aber meine Höhle verlasse, dann liebe ich - wie alle anderen Weinheimer - den Hermannshof, den Marktplatz, den Schlosspark.»

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