Jahreswechsel

Wetterdienst: 2022 Wärmerekord im Südwesten geknackt

Wetter im Südwesten
Auch im Südwesten soll das Wetter am Tag vor Silvester recht mild werden. © Christoph Schmidt

Offenbach/Stuttgart (dpa/lsw) - Ob Freiburg oder Mallorca: das ist zumindest wettertechnisch an Silvester egal. Die Meteorologen erwarten sowohl für die spanische Ferieninsel als auch für die Schwarzwaldmetropole Temperaturen um die 20 Grad. Auch in anderen Teilen Baden-Württembergs rechnet der Deutsche Wetterdienst (DWD) zum Jahreswechsel mit Rekordwärme von bis zu 23 Grad. «So etwas habe ich noch nie gesehen», sagte ein DWD-Meteorologe am Freitag der dpa. Solche Temperaturen an Silvester seien schon sehr bemerkenswert.

Der milde Jahresabschluss passt damit auch zum gesamten Jahr. Denn laut einer vorläufigen Bilanz des DWD erlebte der Südwesten 2022 das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnung 1881. Die Berechnungen der Meteorologen ergaben eine Jahresmitteltemperatur von 10,9 Grad Celsius. Mit 2185 Stunden erreichte auch die Sonnenscheindauer einen Rekordwert, wie der DWD am Freitag in Offenbach mitteilte. Damit war Baden-Württemberg im Ländervergleich das sonnenscheinreichste Bundesland. Die abschließende Auswertung aller Stationsdaten soll Anfang Januar erfolgen.

Der Sommer war laut DWD aber nur der zweitwärmste seit Wetteraufzeichnung. Die Temperaturen kamen damit nicht an die des Jahrhundertsommers 2003 ran. Die 30-Grad-Marke wurde im Mai zum ersten Mal in dem Jahr geknackt. Den ersten richtig warmen Sommertag gab es laut DWD schon am 12. April, damit war der Südwesten bundesweiter Vorreiter.

Und weil der April ja bekanntlich macht, was er will, wurde in dem Monat auch ein Kälterekord aufgestellt: In Meßstetten im Zollernalbkreis wurde mit minus 14,6 Grad Celsius die kälteste Temperatur in einem April im Ländle gemessen. Herbst und Winter sind den Wetterexperten zufolge in diesem Jahr aber deutlich zu mild gewesen. «Das rekordwarme Jahr 2022 sollte für uns alle ein erneuter Ansporn sein, beim Klimaschutz endlich vom Reden zum Handeln zu kommen», sagte Tobias Fuchs, DWD-Vorstand für Klima und Umwelt.

Hitzeperioden hatten die Menschen fest im Griff. Die hohen Temperaturen machten sich auch auf dem Bodensee bemerkbar. Vor den Gemeinden Eriskirch und Langenargen hatte sich im August ein riesiger Algenteppich ausgebreitet. Anfang August waren die Wasserstände an rund 80 Prozent der Pegel im Land unter dem niedrigsten Wert eines durchschnittlichen Jahres. Das wird mittleres Niedrigwasser genannt.

Mit rund drei Metern lag der Spiegel des Bodensees am Pegel Konstanz Mitte August auf einem so niedrigen Niveau, wie es üblicherweise erst Anfang November erreicht wird. In manchen Bodensee-Gemeinden lagen Boote auf dem Trockenen. Die Jahresniederschlagsmenge lag laut DWD im Schnitt mit 810 Litern pro Quadratmeter etwas unter dem Referenzwert. Bundesweit lag der Wert bei 670 Litern - ein Minus von 15 Prozent gegenüber der Referenzperiode von 1961 bis 1990.

Die Folgen der Dürre sieht man auch beim Grundwasser: Schon im Juli wurden nach Angaben der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) in Karlsruhe vielerorts im Südwesten die niedrigsten Werte seit 30 Jahren erreicht. Zwar regnete es im Herbst teils kräftig, was die Lage auch etwas entspannt hat. Doch noch Anfang Dezember überwogen leicht unterdurchschnittliche Grundwasserverhältnisse im Land - ohne dass aber großräumige Engpässe drohten.