Baden-Württemberg

Wiedereröffnung von Impfzentren sei kein richtiges Mittel

Impfung
Eine Impfspritze liegt in einer medizinischen Schale. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild © Sebastian Gollnow

Stuttgart (dpa/lsw) - Um schnell mehr Menschen für die Erst- und die Boosterimpfung zu erreichen, ist eine Wiedereröffnung von Impfzentren nach Auskunft des Gesundheitsministeriums in Stuttgart nicht das richtige Mittel. Denn: Die Zeit dränge. In der Verantwortung stünden die niedergelassenen Ärzte, die auch bei der Boosterimpfung eine Schlüsselstellung hätten, sagte eine Sprecherin am Montag. In den vergangenen Tagen habe das Gesundheitsministerium vermehrt Hinweise erhalten, dass die Impfangebote der niedergelassenen Ärzteschaft nicht überall in Baden-Württemberg ausreichten.

Angesichts stark steigender Corona-Zahlen hatte der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Länder aufgefordert, ihre Impfzentren wieder hochzufahren. «Um möglichst vielen möglichst schnell eine Auffrischungsimpfung zu ermöglichen, sollten die Länder die Impfzentren, die sie seit Ende September in Standby bereithalten, nun wieder startbereit machen», sagte er der «Rheinischen Post».

Spahn forderte zudem einen Gipfel von Bund und Ländern zum Thema Auffrischungsimpfungen. Dazu teilte das grün geführte Staatsministerium mit: «Wir sind immer offen für Gespräche, es kommt aber aufs passende Format an. Wir müssen überlegen, ob wir im Interregnum nicht ein Sonderformat wählen, weil es ja noch keine neue Bundesregierung gibt.» In Baden-Württemberg droht in dieser Woche zudem die Warnstufe: Zu deutlich steigt die Zahl der Corona-Kranken, die auf den Intensivstationen behandelt werden müssen.

Sollte die Zahl der am Virus erkrankten Menschen auf den Intensivstationen auch am Dienstag und somit am zweiten aufeinanderfolgenden Werktag weiter über der Marke von 250 Infizierten liegen, wird automatisch die sogenannte Warnstufe für den folgenden Tag ausgerufen. Auf Ungeimpfte kämen dann wieder Einschränkungen zu.

Spahns Vorschlag zu den Impfzentren sei überraschend gekommen, da diese erst vor wenigen Wochen geschlossen worden seien, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums. Die Impfungen seien zum 1. Oktober in die Regelversorgung der Ärzteschaft übergegangen beziehungsweise würden vom Land dort, wo Bedarf bestehe, derzeit durch 30 mobile Impfteams unterstützt. Die Ärzteschaft solle ihrem Versorgungsauftrag nachkommen. «Sie haben hier eine große Verantwortung und im Übrigen von Beginn der Impfkampagne an darauf gedrängt, die Impfungen in den Praxen vornehmen zu dürfen», sagte die Sprecherin.

Noch in dieser Woche sollen weitere 50 mobile Impfteams in der Fläche eingesetzt werden, um mit den Impfungen schnell weiter voranzukommen. Dies könne zum Beispiel in Form von niedrigschwelligen Popup-Impfungen der Fall sein. «Für die Wiederöffnung von Impfzentren würden wir einen wesentlich längeren Vorlauf benötigen», sagte die Sprecherin.

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