Baden-Württemberg

Wissenschaftler befürchtet Borkenkäfer-Befall über Jahre

Eine Drohne fliegt über einem Waldgebiet
Eine Drohne fliegt über einem Waldgebiet, in dem eine vom Borkenkäfer befallene Fichte steht. Foto: Thomas Warnack/dpa © Thomas Warnack

Eberswalde/Pfronstetten (dpa/lsw) - Der starke Befall mit Borkenkäfern könnte auch den Wäldern in Baden-Württemberg nach Einschätzung des Thünen-Instituts noch Jahre zu schaffen machen. Die Witterung habe in diesem Jahr bislang nicht zu einer Verringerung der Borkenkäfer-Population geführt, sagte der Leiter des Thünen-Instituts für Waldökosysteme in Eberswalde, Andreas Bolte. «Im Gegenteil, wahrscheinlich bleibt der Befall noch weiter auf einem hohen Niveau in den kommenden Jahren.»

Stürme und Trockenheit hatten vielen Wäldern in Deutschland schon in den Jahren 2018 und 2019 stark zugesetzt. Durch das dritte extrem trockene Jahr in Folge sind nach Angaben der baden-württembergischen Forstkammer rund 43 Prozent der Bäume im Südwesten schwer geschädigt. Mehrere Millionen Kubikmeter Schadholz von entwurzelten Bäumen seien ein idealer Nährboden für den Borkenkäfer, teilte der Waldbesitzer-Verband mit.

Die Bedingungen seien zuletzt wie ein «Schlaraffenland» gewesen, sagte auch Bolte. Das gelte besonders für den sogenannten Buchdrucker, einer Borkenkäferart, die vor allem geschwächte und kranke Fichten befällt. Durch die hohe Population in den Vorjahren sei die Anfangsgeneration in diesem Frühjahr sehr groß gewesen. Bis zu drei Generationen Larven schlüpfen pro Jahr.

Dem Thünen-Experten zufolge bräuchte es mindestens zwei «ganz kühle und feuchte Jahre». «Das wäre nötig, zum einen, um die Widerstandskraft der Bäume zu stärken, zum anderen aber auch, damit die Population der Borkenkäfer insgesamt zurückgeht», sagte Bolte. Langfristig sei es dagegen notwendig, den Waldumbau voranzutreiben. Durch den Wechsel von Baumarten, etwa hin zu Mischwäldern, sollen Schadpotenziale eingeschränkt werden.

In den Wäldern bei Pfronstetten auf der Schwäbischen Alb gehen Förster zudem mit App und Drohne gegen den Borkenkäfer vor. Forstunternehmer Michael Widiner kann mit der selbst entwickelten App kranke oder umgestürzte Bäume auf einer digitalen Karte markieren und die Information damit Mitarbeitern oder anderen Förstern zur Verfügung stellen. Wird ein braun gefärbter kranker Baum ausgemacht, setzt der Forstunternehmer auf der Karte auf seinem Handy eine Markierung mit der Aufschrift «Käferbefall». Weitere Markierungsmöglichkeiten lauten beispielsweise «Wassermangel/Hitzeschaden» und «Totholz».

Per GPS-Funktion sehen andere Nutzer den Standort der markierten Bäume. In Echtzeit werden die markierten Punkte mit allen Geräten des Forstunternehmens synchronisiert. Die App ist seit September 2019 auf dem Markt. Was Widiner jetzt in wenigen Minuten erledigt, habe früher wesentlich länger gedauert.

In vielen Forstbetrieben wird die Aufnahme eines Waldes nach Auskunft von Widiner manuell durchgeführt. Mitarbeiter streifen dafür zu Fuß durch den Wald und markieren Bäume, die abgeholzt werden müssen. Die Markierung erfolgt zum Teil auf Papier-Karten und mittels Spraydosen. Es kommt dann nicht selten dazu, dass Bäume im Nachhinein vergessen oder übersehen werden - in Zeiten der Borkenkäferplage ein sehr großes Problem.