VfB Stuttgart

Beim VfB schrillen die Alarmglocken

Baumgartl und Pavard nach der Niederlage in Hannover_0
Die neu formierte Stuttgarter Abwehr kam mit dem aggressiven Anfgriffspressing der Hannoveraner in der ersten Hälfte überhaupt nicht zurecht. © ZVW/Danny Galm

Hannover.
Nach der 1:3-Niederlage gegen Hannover ist der VfB da gelandet, wo er eigentlich nie wieder hinwollte. Auf dem letzten Tabellenplatz. In Bad Cannstatt schrillen die Alarmglocken und Sportvorstand Michael Reschke muss sich erneut einer Trainer-Diskussion stellen. 

Warum der VfB Stuttgart in Hannover leer ausging, zeigen wir in unserer ZVW-Analyse:

Formation und Aufstellung

Für Anastasios Donis (Bündelriss) und Dennis Aogo (Faserriss) standen in Hannover Holger Badstuber und Gonzalo Castro in der Startelf. In einem 5-4-1-System agierten Castro (rechts) und Gentner (links) über die Außenbahnen. Spielmacher Daniel Didavi meldetet sich am Freitag rechtzeitig fit und übernahm wie gewohnt die Zehnerposition hinter Sturmspitze Mario Gomez. 

Routinier Badstuber, der erstmals seit dem 1. Spieltag wieder in der ersten Elf stand, spielte auf der zentralen Position in der neu formierten VfB-Abwehrzentrale. Baumgartl (rechts) und Pavard (links) flankierten den 29-Jährigen. Sosa und Beck verteidigten die Flügel, Ascacibar begann wie gewohnt auf der Sechs.

Spielidee und Taktik

Gegen den Tabellenletzten aus Hannover setzte VfB-Trainer Korkut auf defensive Stabilität und formierte seine Mittelfeldspieler wie schon gegen Leipzig (0:2) und Bremen (2:1) in einer Mittelfeldraute. Dahinter allerdings verteidigte statt einer Vierer- eine Dreier-/Fünferkette mit Startelf-Rückkehrer Badstuber als zentralem Spieler.

Im Spiel gegen den Ball zogen sich die Schwaben geordnet in die eigene Hälfte zurück, rückten mit ihren Innenverteidigern allerdings weit auf, um das Mittelfeld zu verdichten. Erst wenn die Hannoveraner sich der Mittellinie näherten, attackierte das VfB-Mittelfeld. Im Spielaufbau schoben die beiden Außenverteidiger weit nach vorne und positionierten sich in der Nähe der Seitenauslinie.

Die 96er spielten in Durchgang eins ein aggressives Angriffspressing und so waren die Stuttgarter immer wieder gezwungen, den Ball lange in die gegnerische Hälfte zu schlagen. „Ich erwarte kein schönes, aber ein intensives Spiel“, hatte Tayfun Korkut noch kurz vor dem Spiel gesagt. Er sollte Recht behalten.

Spielentscheider

Mit seiner defensiven Grundausrichtung setzte VfB-Trainer Korkut das falsche Signal und spielte den bis dato noch sieglosen Hannoveranern in die Karten. Dem hohen Pressing der 96er hatte die neuformierte Stuttgarter Defensive in der ersten Halbzeit nur wenig entgegenzusetzen. Große Probleme offenbarten die Schwaben zudem im Spielaufbau, wo man sich zu viele unnötige Ballverluste und Fehlpässe erlaubte. 

Durch die taktischen und personellen Umstellungen kam der VfB mit viel Schwung aus der Pause, verpasste es aber nach dem Anschlusstreffer von Mario Gomez (50.) nachzulegen. Da auch 96-Coach Breitenreiters Umstellungen fruchteten, fanden die Niedersachsen wieder zurück auf die Siegerstraße. Unter dem Strich fehlte dem VfB-Spiel in der zweiten Hälfte (mal wieder) die Balance, der Offensive (mal wieder) die Ideen und der Defensive (mal wieder) die Stabilität. 

„Die Trainerfrage stellt sich nicht“, sagte Sportvorstand Michael Reschke nach dem Spiel, „das ist nach sieben Spieltagen eine total enttäuschende Zwischenbilanz. Aber es ist definitiv noch genug Substanz in der Mannschaft und im Trainerteam, um einen Neustart zu schaffen. Wir werden alles daran setzen, um in dieser Konstellation wieder erfolgreich zu sein.“

Stimmen zum Spiel

VfB-Sportvorstand Michael Reschke: „In der ersten Halbzeit ist vieles von dem, was wir uns vorgenommen hatten, nicht aufgegangen. In den zweiten 45. Minuten hat die Mannschaft dann ein völlig anderes Gesicht gezeigt. Auch durch die Umstellung des Trainers ist ein anderer Wind ins Spiel gekommen. Am Ende des Tages muss man korrekterweise sagen hat Hannover 96 verdient gewonnen. Aus der Dreierkette wollten wir über die Außenverteidiger viel Druck nach vorne machen. Das hat definitiv nicht gepasst, weil Hannover in nahezu jedem Zweikampf den Ticken aggressiver war und die Mannschaft unglaublichen Willen an den Tag gelegt hat. In diesem Bereich waren sie uns deutlich überlegen.“

VfB-Trainer Tayfun Korkut: „Wir haben in der ersten Halbzeit sowohl in der Defensive als auch in der Offensive nicht das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten. Nach der Pause haben wir druckvoller agiert und sind auf ein schnelles Tor gegangen, das uns dann auch gelungen ist. Wir haben es aber nicht geschafft, dem Spiel eine Wendung zu geben. Jetzt gilt es, die richtigen Schlüsse aus diesem Spiel zu ziehen und uns in der Länderspielpause auf das Heimspiel gegen Borussia Dortmund vorzubereiten.“

96-Trainer Andre Breitenreiter: "In der ersten Halbzeit haben wir die Stuttgarter so gut wie nie in unsere Hälfte kommen lassen, haben gut gepresst und sie zu weiten Bällen gezwungen. Die 2:0-Führung war zur Pause mehr als verdient. In der zweiten Halbzeit wollten wir kompakter auftreten, mit zunehmender Spieldauer haben aber beim einen oder anderen die Kräfte nachgelassen. Nach dem Anschlusstreffer hatte der VfB ein Übergewicht, da mussten wir ein paar Situationen überstehen. Gegen Ende sind wir dann aber wieder kompakter geworden. Wir haben heute wieder viel investiert – ich bin froh, dass das diesmal mit einem Sieg belohnt wurde."

VfB-Torhüter Ron-Robert Zieler: „Die erste Halbzeit der Hannoveraner war schon ganz gut und griffig. Unsere erste Hälfte war überhaupt nicht gut. Wir kriegen blöde Gegentore - gerade das zweite vor der Halbzeit tut sehr weh. In der zweiten Halbzeit haben wir es dann besser gemacht und waren noch einmal drauf und dran. Am Ende gab’s aber leider keine Punkte. Das haben wir uns nicht vorgenommen. Wir hatten keine Ruhe am Ball, konnten uns nicht frei bewegen und Bälle fordern. Das haben wir vermissen lassen.“

Tweet des Tages

Mit einer kleinen Choreo feierten die mitgereisten rund 2.500 VfB-Fans in der nicht ausverkauften HDI-Arena ihre Heimatstadt:

Ausblick 8. Spieltag

Freitag, 19. Oktober:

Eintracht Frankfurt - Fortuna Düsseldorf; 20.30 Uhr

Samstag, 20. Oktober:

Bayer Leverkusen - Hannover 96; 15.30 Uhr

VfB Stuttgart - Borussia Dortmund; 15.30 Uhr

FC Augsburg - RB Leipzig; 15.30 Uhr

VfL Wolfsburg - Bayern München; 15.30 Uhr

1. FC Nürnberg - 1899 Hoffenheim; 15.30 Uhr

FC Schalke 04 - Werder Bremen; 18.30 Uhr

Sonntag, 21. Oktober:

Hertha BSC - SC Freiburg; 15.30 Uhr