Blaulicht

40-Jährige überweist 40 000 Euro an Internetbekanntschaft

iPhone Smartphone Symbol_0
Symbolfoto. © Christine Tantschinez

Waiblingen. Wie allein muss jemand sein, wie blind vor lauter Sehnsucht nach ein bisschen Liebe: Wieder ist eine Frau aus dem Rems-Murr-Kreis auf einen Betrüger hereingefallen, den sie im Internet kennengelernt hatte. Wer auch immer dahinter steckt: Diese Leute wissen, wie man Menschen einlullt, ihnen schmeichelt, Hoffnungen weckt, wahre Liebe vorgaukelt. Einer 60-Jährigen aus dem Raum Waiblingen kam ihre Leichtgläubigkeit teuer zu stehen.

Fälle wie diese lösen regelmäßig Kopfschütteln aus: Wie kann man nur! Betrugsopfern ein beherztes „Selbst schuld!“ entgegenzurufen – das ist letztlich gemein. Außenstehende können nicht ermessen, wie trickreich die Betrüger vorgehen, wie sie mitten hinein zielen in die Seele eines Menschen, der sich einfach nur nach Aufmerksamkeit sehnt.

Eine erfahrene Kripo-Beamtin hatte vor einiger Zeit, als diese Zeitung schon einmal über Fälle wie diese berichtete, betont: Es trifft nicht nur Leute, die vielleicht etwas schlicht gestrickt sind. Nur ein Beispiel: Eine gestandene Frau aus Fellbach, mitten im Leben stehend, 55 Jahre, übergab im Jahr 2015 an einen Kurier 110 000 Euro – um der vermeintlichen Liebe ihres Lebens aus der Patsche zu helfen. Für einen weiteren sechsstelligen Betrag nahm sie sogar einen Kredit auf. Schließlich schöpfte die Bank der Frau Verdacht. Es kam zu einer fingierten Geldübergabe, bei welcher die Polizei einen Deutschen nigerianischer Herkunft festnahm. Wie die Polizei seinerzeit berichtete, gehörte der Mann einer in Ghana ansässigen Tätergruppe an, die im Netz weltweit liebesbedürftige Menschen aufspürt – und sie finanziell auszieht bis aufs letzte Hemd.

Erst als sie pleite war, schöpfte sie Verdacht

Das jüngste Opfer der Masche namens „Romance scamming“ hat laut Polizei ebenfalls viel Geld verloren, wenn auch nicht ganz so viel wie damals die Frau aus Fellbach: Die 60-Jährige aus dem Raum Waiblingen überwies ihrem Schmeichler laut Polizei zunächst 25 000 Euro. Damit war’s noch nicht genug: Die Frau schaltete einen Finanzdienstleister ein, um ihrem virtuellen Liebsten weiter mit Geld aushelfen zu können. Es flossen nochmals mehr als 15 000 Euro, meldet die Polizei – und weiter: „Als die Frau pleite war und auch vergeblich auf Rückzahlungen wartete, schöpfte sie Verdacht und erstattete Anzeige.“

Bereits im November vergangenen Jahres hatte die Frau den Mann übers Internet kennengelernt. Er stamme aus Großbritannien, hieß es. Es folgten Schmeicheleien, und die Frau fasste Vertrauen. Jeden Tag kommunizierte sie mit dem Mann ihrer Träume via Handy. Kurze Zeit später bat er um Geld – und konfrontierte die Frau mit einer abenteuerlichen Geschichte. Er befinde sich geschäftlich in Malaysia, habe fliehen müssen, sei festgenommen worden – und so weiter und so weiter. Zum Beweis seiner ausweglosen Situation drohte der Betrüger mit Selbstmord – und die 60-Jährige wurde weich.

Ganz plötzlich braucht ein Kind eine Notoperation

Immer wieder neue irre Geschichten erfinden die Betrüger: Im Fellbacher Fall gab sich der vermeintlich Verliebte damals als Kommandeur einer amerikanischen Spezialeinheit aus, die in Syrien kämpfte. Ganz plötzlich muss dann das Kind des Liebsten notoperiert werden, oder der zumindest auf dem gestohlenen Foto recht attraktive Mann sitzt in einem verborgenen Winkel der Welt fest und muss ganz schnell eine Ware am Zoll auslösen - oder sonst was.
Betroffen sind Frauen wie Männer, und die Betrüger schaffen es, sich im Leben ihrer Opfer unverzichtbar zu machen – und zwar ohne dass es je zu einem Treffen gekommen wäre, warnt die Polizei. Auf Online-Partnerbörsen oder in sozialen Netzwerken fahnden die Täter nach Opfern, bahnen via Chat einen Kontakt an – und pflegen diesen zuverlässig. Jeder Morgen beginnt mit einem Liebesgruß auf dem Handy, mittags folgt ein Anruf und am Abend unterhält man sich stundenlang mittels Textnachrichten, Mails oder gar am Telefon. Diese Leute sprechen perfekt Englisch oder benutzen kostspielige Übersetzungstools für ihre Mails, warnt die Polizei.

Diverse Datingportale werben damit, Profile zu verifizieren und den Nutzern auf diese Weise größtmögliche Sicherheit zu bieten. Vorsicht ist dennoch immer angebracht.

Eines dieser Dating-Portale appelliert - wie andere auch - an den gesunden Menschenverstand: „Versuche objektiv zu bleiben, auch wenn die Schmetterlinge im Bauch flattern. Vielleicht fühlt es sich richtig an, nach zehn SMS “I love you” zu schreiben. Aber was würden andere sagen? Was würdest du einem Freund in so einer Situation raten?“