Blaulicht

Mutmaßliche falsche Polizisten angeklagt

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Symbolbild. © Joachim Mogck

Waiblingen/Tübingen.
Nur weil Ermittler rechtzeitig eingegriffen haben, hat eine Person aus dem Rems-Murr-Kreis Betrügern kein Geld ausgehändigt. Die Staatsanwaltschaft Tübingen erhebt nun Anklage gegen fünf Männer aus dem Raum München. Sie sollen als falsche Polizisten aufgetreten sein. Der Rems-Murr-Fall wird auch mit ihnen in Verbindung gebracht.

Polizei warnt regelmäßig vor dieser Betrugsmasche

Gleich mehrmals hat die Polizei in den vergangenen Wochen vor dreisten Betrügern gewarnt, die sich am Telefon besonders bei Senioren als Polizisten ausgeben und behaupten, das Vermögen der alten Leute müsse schleunigst in Sicherheit gebracht werden. Die Staatsanwaltschaft Tübingen hat nun einer Pressemitteilung zufolge Anklage gegen vier Männer im Alter zwischen 23 und 33 Jahren wegen gewerbsmäßigen Bandenbetruges sowie gegen einen 22-Jährigen wegen Beihilfe erhoben. Drei der Angeschuldigten befinden sich seit Anfang Juni in Untersuchungshaft. Der Haftbefehl gegen einen 23-jährigen Angeschuldigten wurde Mitte Juni außer Vollzug gesetzt, heißt es in der Mitteilung weiter.

Kopf der Bande soll ein 29-jähriger türkischer Staatsangehöriger gewesen sein

Demnach haben vier der Angeschuldigten spätestens zum Jahresbeginn gemeinsam mit einem weiteren, damals 29-jährigen Tatverdächtigen beschlossen, sich als falsche Polizeibeamte auszugeben und auf diese Weise ihre Opfer um hohe Geldbeträge zu bringen. Der 29-jährige türkische Staatsangehörige soll als Kopf der Bande von der Türkei aus Frauen im Alter zwischen 61 und 86 Jahren in Süddeutschland angerufen und sich als Polizeibeamter ausgegeben haben. Die Anrufertelefonnummer soll manipuliert gewesen sein, so dass das Telefon „110“ anzeigte.

Anrufer behauptet, das Vermögen der Opfer müsse in Sicherheit gebracht werden

In den Telefonaten soll der Mann seinen Opfern vorgegaukelt haben, dass es rumänische Täter auf ihr Vermögen abgesehen haben und die Polizei ihre Vermögenswerte schützen könne. Der falsche Polizist soll die Angerufenen aufgefordert haben, ihre Konten leerzuräumen und die Gelder seinen Kollegen zu übergeben. Der mutmaßliche Täter soll im Zeitraum von Januar bis Mai 2017 in sieben Fällen seine Opfer dazu veranlasst haben, Bargeld in Höhe von rund 340 000 Euro sowie Schmuck im Wert von rund 13 000 Euro bereitzustellen. Vor Ort organisierten die vier weiteren, damals zwischen 22 und 30 Jahre alten Angeschuldigten die Abholung.

Ermittler können rechtzeitig eingreifen

Der Gruppierung, bestehend aus vier türkischen und zwei deutschen Staatsangehörigen, soll es gelungen sein, in drei Fällen in Bayern, in einem Fall im Landkreis Konstanz sowie in einem weiteren Fall im Raum Tübingen insgesamt rund 160 000 Euro an Vermögenswerten erbeutet zu haben. In einem weiteren Fall in Tübingen und eben jenem im Rems-Murr-Kreis kam es nur aufgrund des Eingreifens der Ermittler nicht mehr zur Übergabe des Geldes, teilt die Staatsanwaltschaft Tübingen weiter mit. Die Staatsanwaltschaft Tübingen wertet die Taten als gewerbsmäßigen Bandenbetrug.