Blaulicht

Nach Geisterfahrt auf der B 29 bis Plüderhausen: 91-Jähriger stellt sich freiwillig

Thema als senior bzw.  im alter noch am steuer des autos     foto Zuern
Fahreignungstests kann jeder freiwillig absolvieren - verpflichtend sind sie nicht. © Hardy Zürn

Der Falschfahrer hat sich selbst bei der Polizei gemeldet: Ein 91-Jähriger war’s, der am Donnerstagvormittag (04.06.) auf der B 29 mit einem silbernen SUV in die falsche Richtung gefahren ist. Der Mann hatte offenbar nicht bemerkt, dass er bei Lorch-Waldhausen die Abfahrt für die Auffahrt zur B 29 genutzt hatte. Der Mann fuhr mit seinem SUV auf der falschen Seite der B 29 von Waldhausen bis Plüderhausen und gefährdete bei seiner Geisterfahrt mehrere Verkehrsteilnehmer. Einige Autofahrer mussten dem Senior ausweichen, sonst wäre es zu einem Unfall gekommen.

Führerschein dürfte einbehalten werden

Dem Senior drohen laut Polizei „führerscheinrechtliche Maßnahmen“, sprich: Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird der Mann seinen Führerschein nicht behalten dürfen.

Mit ebenso großer Wahrscheinlichkeit wird ein Fall wie dieser die alte Diskussion wieder aufflammen lassen: Sollten Autofahrer ab einem bestimmten Alter eine Fahreignungsprüfung durchlaufen müssen?

Rat: freiwillige Probefahrten

Die Antworten fallen – natürlich – ganz unterschiedlich aus. Experten wie der Unfallforscher Siegfried Brockmann plädieren für Rückmeldefahrten mit Fahrlehrern. Das heißt, ein Senior würde nach einer Art Probefahrt mit einem Fahrlehrer dessen Einschätzung hören: Gibt’s Defizite? Welche?

Daraus ließen sich Konsequenzen ableiten, die sowohl dem Sicherheitsbedürfnis der anderen Verkehrsteilnehmer als auch dem mutmaßlichen Streben nach Autonomie älterer Fahrer gerecht würden: Denkbar wäre je nach Stand der Dinge ein Verzicht auf Fahrten bei Nacht oder die Zusage, nur noch in einem bestimmten Umkreis um den Wohnort zu fahren – und vieles mehr.

Eine der Hauptrisikogruppen: Fahranfänger

Senioren möchten zu Recht nicht als unzuverlässige Autofahrer diskriminiert werden, nur weil sie älter sind. In Diskussionen wird stets darauf verwiesen, dass Fahranfänger als eine der Hauptrisikogruppen im Straßenverkehr gelten. Laut Polizei führen bei jungen Erwachsenen tatsächlich „mangelnde Fahrpraxis, nicht selten gepaart mit einer erhöhten Risikobereitschaft, des öfteren zu einer überproportional höheren Beteiligung an Verkehrsunfällen.“

Auffallend häufig sind Geisterfahrer ausgerechnet auf der B 29 unterwegs – was bisher niemand Fakten-basiert erklären konnte. Die Geisterfahrt einer 72-Jährigen auf der B 29 Mitte Januar 2017 kostete zwei Menschen das Leben. Beim Frontalzusammenstoß starben ein 20-Jähriger und die Geisterfahrerin.