Blaulicht

So viele Verkehrstote gab es lange nicht

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Immer mehr Unfälle im Rems-Murr-Kreis. © Marc Xavier Fotolia

Waiblingen/Aalen. So viele Unfälle wie 2017 sind in den vergangenen fünf Jahren jeweils nicht passiert. Der Rems-Murr-Kreis stellt einen traurigen Rekord auf: Der Anstieg der Unfallzahlen fiel noch heftiger aus als in anderen Landkreisen. Allein vier Motorradunfälle verliefen tödlich: Für die Polizei ein Alarmzeichen.

Im gesamten Gebiet des Polizeipräsidiums Aalen (Rems-Murr, Ostalb und Schwäbisch Hall) sind 18 Motorradfahrer im vergangenen Jahr zu Tode gekommen. Das sind drei Mal so viele wie im Jahr davor. „Selbstüberschätzung“ nannte Ottmar Kroll vor der Presse als eine der Ursachen. Der „Reiz der Geschwindigkeit“ verleite Motorradfahrer allzu oft zu unvernünftigem Verhalten. Zu viele überschätzen sowohl ihre Fertigkeiten als Fahrer wie auch die technische Ausstattung ihrer Maschine, so Ottmar Kroll. Der Leiter der Verkehrspolizeidirektion erläuterte die Unfallstatistik der Polizei fürs Jahr 2017 am Dienstag vor der Presse in Aalen. In allen drei Landkreisen ist demnach die Zahl der Unfälle angestiegen – aber am stärksten im Rems-Murr-Kreis. Das Plus ist, bezogen auf alle drei Landkreise, mehr als doppelt so groß wie im Land.

 

 

Polizei kontrolliert an beliebten Motorradstrecken

Ebenfalls an der Spitze liege das Polizeipräsidium Aalen, was Motorradkontrollen angeht, obwohl die Zahl der Kontrollen 2017 deutlich unter dem Vorjahreswert lag. Ein „Hauptaugenmerk“ der Polizei gilt Bikern und ausgewiesenen Motorradstrecken. Dazu zählen die Sulzbacher Steige, die Landesstraße zwischen Schorndorf und Schlichten, die Strecke Schnait-Manolzweiler oder bestimmte Straßen in Spiegelberg. Hintergrund der Kontrollen ist nicht nur die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer. Es geht auch um Lärm, der Bürger „massiv belastet“, wie Ottmar Kroll sagte. Sehr häufig sind laut Polizei technische Veränderungen an der Abgasanlage der Grund.

Die Unfallursache „zu hohe Geschwindigkeit“ liegt mit weitem Abstand vorn bei tödlichen Verkehrsunfällen: In 59 Prozent der Fälle führte laut Polizei zu schnelles Fahren oder Raserei zum Tod von Menschen. Am meisten Aufsehen erregte ein tödlicher Unfall im Juli 2017 in Alfdorf beim Schillinghof. Vor kurzem verurteilte das Landgericht Stuttgart den 20-Jährigen zu einer dreijährigen Haftstrafe.

 

 

Zehn Menschen haben im vergangenen Jahr bei Unfällen im Rems-Murr-Kreis ihr Leben gelassen. Vier von ihnen starben, weil ein Verkehrsteilnehmer alkoholisiert am Steuer saß.

Polizei würde früheres Ende von Festen begrüßen

Im Umfeld von Festen hat es die Polizei natürlich immer mit Betrunkenen zu tun. Die Lage ließe sich aus Sicht der Polizei entschärfen: „Wir wollen darauf hinwirken, dass man früher Schluss macht“, sagte Polizeipräsident Roland Eisele.

Einen deutlichen Anstieg verzeichnete die Polizei auch bei Unfällen mit Lastwagen. Zu 417 Unfällen dieser Art ist es 2017 im Rems-Murr-Kreis gekommen, das sind 57 Unfälle mehr als im Jahr davor. Ein Mensch starb. Ottmar Kroll nannte – neben anderen Ursachen – Ablenkung am Steuer als Grund für Unglücke mit Lastern. Das Handy wird genutzt oder ein Fahrer schaut gar Videos während der Fahrt – offenbar keine Seltenheit.

Autofahrer ohne Gurt oder mit Handy

Das gilt auch für Autofahrer: Obwohl die Polizei 2017 etwas weniger Schwerpunktkontrollen mit Blick auf Handy- und Gurtverstöße angesetzt hatte, erwischte sie deutlich mehr Autofahrer ohne Gurt oder mit Handy in der Hand. Knapp 4400 Verstöße gegen das Handyverbot am Steuer registrierte die Polizei: Ein sattes Plus von 55 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Kommt es dann zu einem schweren Unfall, haben es die Einsatzkräfte immer häufiger mit einem „bedrückenden gesellschaftlichen Phänomen“ zu tun, wie Roland Eisele sagte: Gaffer behindern die Arbeit der Helfer. Nicht selten kommt es zu Folgeunfällen. Manche Schaulustige schrecken selbst vor Beleidigungen nicht zurück oder sichern sich mit Körpereinsatz ihr Handyfoto aus der ersten Reihe.

Unfallfluchten und Zulassungszahlen

Die Zahl der Unfallfluchten hat im Rems-Murr-Kreis deutlich zugenommen. 2666 Fälle zählte die Polizei 2017, nach 2453 Fällen im Jahr davor.

Die Aufklärungsquote bei Unfällen mit Unfallflucht lag im gesamten Gebiet des Polizeipräsidiums Aalen bei knapp 38 Prozent.

Bei Unfallfluchten mit schwer verletzten Personen lag die Aufklärungsquote mit 48 Prozent deutlich niedriger als im Jahr davor mit rund 65 Prozent.

Drei Menschen sind 2017 präsidiumsweit bei Unfällen mit Unfallflucht gestorben. „Alle Verkehrsunfallfluchten mit tödlichem Ausgang wurden aufgeklärt“, so die Polizei.

Das Polizeipräsidium Aalen ist für die Landkreise Rems-Murr, Ostalb und Schwäbisch Hall zuständig. In allen drei Landkreisen waren 2017 genau 823.733 Fahrzeuge zugelassen. Das sind deutlich mehr als 2016. Damals belief sich die Zahl der Zulassungen auf 807.575. Die Zahl der Einwohner in allen drei Landkreisen zusammen: 905.640.