Blaulicht

Tod durch Ertrinken

F3 - Schwimmbad in Fellbach_0
Nach wie vor unklar ist, ob ein Mann, der vom Beckenrand ins Wasser gesprungen sein soll, den Unfall verursacht haben könnte. © ZVW/Danny Galm

Fellbach. Nach dem tödlichen Badeunfall im Freizeitbad F3 am vergangenen Sonntag steht fest: Die 39-jährige Frau ist ertrunken. Das hat die Obduktion ergeben, berichtet die Polizei. Damit sind andere Todesursachen wie beispielsweise ein Herzinfarkt ausgeschlossen. Nach wie vor unklar ist, ob ein Mann, der vom Beckenrand ins Wasser gesprungen sein soll, den Unfall verursacht haben könnte. Die Obduktion ergab laut Polizei keine Hinweise darauf.

Inzwischen haben sich mehrere Badegäste, die am Sonntag ebenfalls im F3 waren, bei der Polizei gemeldet. Die Vernehmungen laufen; noch ergibt sich laut Polizei-Pressesprecher Rudolf Biehlmaier kein eindeutiges Bild.

Kampf gegen Windmühlen

Offenbar hat eine einzelne Person nach dem Unfall angegeben, ein Mann sei vom Beckenrand ins Wasser gesprungen und könnte die Frau getroffen haben. Was genau passiert ist, kann im Moment niemand mit Sicherheit sagen. Ausdrücklich bestätigt die Polizei, dass die Obduktion keine Hinweise ergeben hat, die zu dieser Schilderung passen.

Ein schrecklicher Unglücksfall. Die Frau, die mit Mann und Kind und dessen Freundinnen den Nachmittag im Freibad verbracht hatte, lag zunächst bewusstlos am Boden des Freibades. Sie wurde reanimiert, starb dann aber am Sonntagabend in einem Krankenhaus. Laut Jürgen Krauß, dem Vorsitzenden des DLRG-Bezirks Rems-Murr, dauert es nur drei Minuten, bis das Gehirn bei fehlender Sauerstoffversorgung erste Schäden nimmt.

Als Aufsichtspersonen waren am Sonntag sowohl Angestellte des Freizeitbades wie auch Helfer der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) eingesetzt. Eine ihrer Aufgaben ist, dafür zu sorgen, dass sich die Badegäste an die Regeln halten, also beispielsweise nicht seitlich ins Becken springen. Als „ Kampf gegen Windmühlen“ hatte Jürgen Krauß Anfang der Woche dieser Zeitung gegenüber diese Aufgabe beschrieben.

Viele Unklarheiten

Ein anderer Badeunfall in Baden-Württemberg liegt etwa drei Jahre zurück. Ein 35-jähriger Familienvater starb nach einem Sprung vom Turm im Mineralfreibad in Bad Wimpfen. Ein anderer Mann war vom Turm, der über mehrere Ebenen verfügt, gesprungen, als der Familienvater noch unten im Wasser war – und sprang auf den 35-Jährigen.

Dieser erlitt so schwere Hirnverletzungen, dass er starb. Es kam zu einem Strafprozess; das Amtsgericht Heilbronn sprach sein Urteil im Herbst 2017: Wegen fahrlässiger Tötung wurde der Betreiber des Bades zu einer elfmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Der damalige Bademeister erhielt eine Geldstrafe. Seinerzeit hatten die Angeklagten selbst vor Gericht eingeräumt, dass der Unfall wohl nicht passiert wäre, wenn die Aufsicht anders organisiert gewesen wäre.

Nach dem Fellbacher Fall sind schnell Schuldzuweisungen laut geworden. Das bringt ein solch tragischer, dazu noch mit so vielen Unklarheiten behafteter Fall mit sich. Es ist viel zu früh, um abschließende Antworten zu erwarten.

Dr. Joachim Heuser von der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen in Essen kann natürlich zu diesem Fall nichts Konkretes sagen, da er ihn auch nur aus der Medienberichterstattung kennt.


 

Es gibt laut Heuser keine allgemeingültigen Vorschriften, wie die Aufsicht in einem Bad geregelt sein muss, zumal die Gegegebenheiten in jedem Bad anders sind. Allerdings seien Badbetriebe gut beraten, sich an die Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen zu halten.

Demnach muss jeder Aufsichtsperson ein Aufsichtsbereich zugewiesen werden. „Aufsichtskräfte haben ihren Standort so zu wählen, dass sie den ihnen zugewiesenen Aufsichtsbereich überblicken können. Sie sollen ihren Standort auch in Form eines Rundganges wechseln, um das Geschehen im Bad aus verschiedenen Blickwinkeln zu verfolgen.

Sie müssen dabei regelmäßig nicht nur auf die Wasserfläche, sondern auch in das Wasser hineinschauen und den Beckenboden beobachten.“ Durch „geeignete organisatorische Maßnahmen“ sei sicherzustellen, „dass in Notfällen rasch und wirksam Hilfe geleistet werden kann.“ „100-prozentige Sicherheit gibt es nicht“, sagt Joachim Heuser; eine Aufsichtsperson „kann unmöglich jeden Badegast im Auge behalten.“

Der Fellbacher Fall ist noch lange nicht abgeschhlossen. Für eine Stellungnahme war F3-Geschäftsführer Marcus Eichstädt am Donnerstag nicht zu erreichen.