Blaulicht

Update: Internetbetrügern auf der Spur

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Symbolbild. © Anne-Katrin Walz

Stuttgart/Waiblingen. Bundesweite Durchsuchungsaktion wegen gewerbsmäßigem Computerbetrugs im Internet


Das Internet bietet Kriminellen ideale Bedingungen. In speziellen Foren bieten sie zum Beispiel gestohlene Waren an oder kaufen geklaute Kreditkartendaten, um damit ihr Unwesen zu treiben. Die Polizei hat bundesweit Wohnungen durchsucht; mehr als 20 Verdächtige sind ermittelt.


Seit Ende Juli läuft ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Stuttgart und der Kriminalpolizeidirektion Waiblingen. Im Zuge anderweitiger Ermittlungen waren Waiblinger Kripo-Beamte auf ein Internet-Untergrund-Forum aufmerksam geworden. Betreiber und Mitglieder solcher Foren treiben auf solchen Plattformen kriminelle Machenschaften. Im aktuellen Fall nutzten die Akteure laut Polizei schwerpunktmäßig ausgespähte Kreditkartendaten, um damit hochwertige Markenartikel online zu bestellen. Ein Polizeisprecher sprach am Donnerstag von einer Schadenshöhe im sechsstelligen Bereich.


Zwar hat dieser Fall offenbar seinen Ausgang im Rems-Murr-Kreis genommen. Doch die Akteure befinden sich allem Anschein nach in anderen Bundesländern. Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, sind bereits am 29. September in acht Bundesländern zeitgleich Wohnungen durchsucht worden, und zwar in Berlin, Bayern, Thüringen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, im Saarland, in Rheinland-Pfalz sowie in Schleswig-Holstein. Die Polizei fand in den Wohnungen viele mit den gestohlenen Kreditkartendaten gekaufte Waren. Zudem stieß die Polizei auf Beweise für andere Straftaten, insbesondere Rauschgift-Delikte. Die Polizei nahm zwei Tatverdächtige fest. Einer der beiden stammt aus Norderstedt in Schleswig-Holstein. Die Polizei fand bei ihm verschiedene Drogen und waffenrechtlich verbotene Gegenstände.
Die Ermittlungen laufen nun erst richtig an, denn bei den Durchsuchungen sind der Polizei jede Menge Datenträger und andere Beweismittel in die Hände gefallen.

So genannte Underground-Foren im Internet gelten als gern genutzte Spielwiese für Kriminelle. Wer hier illegal Drogen kaufen oder an ausgespähte Kreditkartendaten gelangen möchte, beantragt zunächst beim Betreiber des Forums ein Benutzerkonto. Dafür ist dann ein einmaliger oder monatlicher Geldbetrag fällig. „Je nach geleisteten kriminellen ‘Beiträgen’ und ‘Fähigkeiten’ kann man seine Akzeptanz bei den anderen Mitgliedern steigern und so seinen Status in der Mitgliederhierarchie erhöhen“, erläutert die Polizei.


Ein weiterer größerer Zugriff in diesem Zusammenhang liegt gut sieben Monate zurück. Ende Februar hatte das Bundeskriminalamt Räume in zwölf Bundesländern und im Ausland durchsucht. Neun dringend Tatverdächtige nahm die Polizei seinerzeit fest, und sie nahm mehrere Underground-Foren vom Netz. In diesen Foren hatten Kriminelle Drogen, Waffen, Falschgeld, gefälschte Ausweise und Daten angeboten. Hacker hatten Online-Banking- und Kreditkarten-Daten ausgespäht, Zugänge zu Internetdiensten entschlüsselt und diese Infos in den Foren verkauft. Illegale Streamingdienste begaben sich in den Foren zudem auf Kundenfang.
Von weiteren Machenschaften auf diesen Foren berichtet ein Sprecher der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität in Frankfurt am Main: Kunden buchen dort gezielt Hackerangriffe, beispielsweise, um einem Konkurrenten zu schaden und dessen Website schachmatt zu setzen. Vor zwei, drei Jahren ging es laut dem Sprecher vorrangig um Kinderpornografie. Diesem Bereich komme heute in diesem illegalen Teil des Internets keine ganz so große Bedeutung mehr zu. Als einen der Haupttrends nennt der Sprecher Drogen und Waffen; „wir sehen, dass das zunimmt.“


Der aktuelle Ermittlungserfolg der Polizei betrifft nur einen kleinen Teil dessen, was Kriminelle im Netz so alles treiben: „Das Entdeckungsrisiko ist relativ gering.“