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Update: Spielhalle überfallen

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Symbolbild. © Benjmain Büttner

Winnenden. Ein Unbekannter hat eine Spielhalle in Winnenden überfallen. Der Mann betrat die Spielhalle am Dienstag (21.08.) gegen 23.45 Uhr und forderte Geld. Eine Angestellte überließ ihm das Bargeld aus der Kasse. Viel dürfte es nicht gewesen sein – in den Betrieben ist nicht viel Bargeld greifbar, heißt es beim Fachverband Spielhallen in Berlin. Oftmals schiebt eine Frau alleine Dienst in einer Spielhalle, auch nachts. Die Polizei sucht nun Zeugen.

Ziel des Räubers war eine Spielhalle in der Mühltorstraße in Winnenden. Der Mann drängte die 42-jährige Angestellte zum Tresen, teilt die Polizei mit. Von einer Waffe ist nicht die Rede. Laut einem Polizeisprecher ist noch nicht genau geklärt, ob der Räuber bewaffnet war. Die Befragung der Angestellten sei noch nicht abgeschlossen; die Frau war nach dem Vorfall aus verständlichen Gründen sehr aufgeregt.

Der Mann konnte unerkannt flüchten. Er wird als circa 1,80 bis 1,85 Meter groß, schlank und breitschultrig beschrieben. Er trug schwarze Kleidung und hatte das Gesicht zumindest teilweise mit einem gemusterten grünen Tuch verdeckt, eventuell trug er zusätzlich eine Kapuze. Zeugen sollen sich bei der Polizei in Waiblingen melden, Telefonnummer 0 71 51 / 950-0.

Angestellte handelte richtig

Die Vermutung liegt nahe, dass in Spielhallen viel Geld zu holen ist. Ein Irrtum, sagt Laura Wilms, Referentin für Politik und Kommunikation beim Fachverband Spielhallen in Berlin. Die meisten Spielhallen verfügen laut Wilms über Sicherungseinrichtungen, die den Zugriff auf das gesamte Wechselgeld verhindern. Mehr als ein paar Hundert Euro wird ein Räuber in einer Spielhalle nicht erbeuten können, so Laura Wilms.

Die Angestellte in Winnenden hat offenbar genau richtig gehandelt: Sie übergab dem Räuber das Geld, welches in der Kasse lag. „Eigenschutz geht immer vor allem“, betont die Verbandsreferentin; niemand solle „den Helden spielen“. Angestellte in Spielhallen sind angewiesen, sofort die Tür abzuschließen, wenn der Täter die Räume verlassen hat. Er könnte sonst zurückkehren, wenn er das Gefühl hat, nicht mehr flüchten zu können.

Der Kassenbereich in Spielhallen muss videoüberwacht sein. Im Winnender Fall war der Täter teilmaskiert. Ob die Videoauswertung brauchbare Hinweise liefert, muss sich erst noch zeigen.

Zwischen 80 und 90 Prozent der Servicekräfte sind Frauen

Viele Angestellte in Spielhallen tragen direkt am Körper, etwa in einer Tasche oder an der Kleidung, einen Notfallknopf, berichtet Laura Wilms weiter. Etwa 80 bis 90 Prozent der Servicekräfte sind Frauen, schätzt die Referentin. Sie arbeiten oftmals allein in der Halle; ein Notfallknopf direkt am Körper vermittle ein Gefühl von Sicherheit. Ein Knopfdruck löst einen stillen Alarm aus, der dann etwa bei einer Sicherheitsfirma aufläuft.

Früher gab es Spielhallen, die 24 Stunden geöffnet waren. Der Glücksspielstaatsvertrag schreibt mittlerweile vor, dass eine Spielhalle mindestens drei Stunden pro Tag am Stück geschlossen sein muss. Baden-Württemberg hat die Regelung verschärft; hier gilt eine Schließzeit in der Regel von Mitternacht bis 6 Uhr früh.

Der Fachverband Spielhallen verfügt über keine detaillierte Statistik zu Überfällen. Die Betriebe gelten als „beliebtes Ziel“, so Laura Wilms: „Aber vom Gefühl her würde ich nicht sagen, dass sich die Zahl groß verändert hat.“

Zuletzt hat Ende Oktober 2017 ein Räuber in Backnang eine Spielhalle überfallen. Auch damals betrat ein Unbekannter kurz vor Mitternacht eine Spielothek. Der Mann bedrohte eine Angestellte mit einem Messer. Rund ein Jahr liegt ein Überfall auf ein Spielcasino in Fellbach-Schmiden zurück. Ebenfalls im August 2017 floh ein Räuber in Waiblingen nach einem Überfall auf ein Spielcasino – in diesem Fall allerdings ohne Beute, weil eine Angestellte sich stur gestellt hatte. Wegen Raubes und Körperverletzung ist im Mai 2017 ein Gambier zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Der Mann hatte zunächst in Winnenden viel Geld verzockt. Wohl aus Frust schlug er einen Angestellten zu Boden und stahl ihm Geld aus der Hosentasche.