VfB Stuttgart

Brisante Beratungen in Frankfurt: Warum der VfB Stuttgart nicht am „G-15-Gipfel“ teilnehmen darf

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Der VfB und Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger dürfen nicht am von Bayern-Boss Rummenigge initiierte Treffen teilnehmen. © ZVW/Benjamin Büttner

Die oft beschworene Solidarität des deutschen Profi-Fußballs in Corona-Zeiten bekommt Risse. Der von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge initiierte „G-15-Gipfel“ am Mittwoch am Frankfurter Flughafen ist umwölkt von Geheimniskrämerei über Themen und Ziele sowie überschattet vom Ausschluss einiger Clubs. Warum darf ein Quartett um den VfB Stuttgart nicht an dem brisanten Treffen teilnehmen?

Positionspapier zu einer Neuverteilung der TV-Gelder

Der FSV Mainz 05 gehört neben dem FC Augsburg, Arminia Bielefeld und dem VfB zu den ausgebooteten Erstligisten. Für 05-Finanzvorstand Jan Lehmann sei dies ein „merkwürdiges Verhalten, wenn Teile der Liga ausgeschlossen“ würden, zitierte ihn die Frankfurter Rundschau.

Karl-Heinz Rummenigge
Karl-Heinz Rummenigge ist der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München. Foto: Matthias Balk/dpa © Matthias Balk

Das nicht genehme Quartett hatte mit einem Positionspapier zu einer Neuverteilung der TV-Gelder ab der Spielzeit 2021/22 stark angeeckt. Schließlich geht es um 4,4 Milliarden Euro aus den nationalen Medienerlösen, die bis nach Ende der Saison 2024/25 unter den 36 Proficlubs aufgeteilt werden - und zwar weniger erfolgsabhängig.

So soll unter anderen an den Tabellenersten der Bundesliga höchstens nur noch doppelt so viel ausgeschüttet werden wie an den Tabellenletzten. Dies und anderes gefällt den Branchenführern aus München, Dortmund Mönchengladbach, Leipzig oder Leverkusen nicht.

Die Taskforce „Zukunft Fußball“ ist überrascht

Die Anberaumung der wohl als geheimes Treffen geplanten Versammlung hat auch die Vertreter der Taskforce „Zukunft Fußball“, die über Konsequenzen aus den in der Pandemie offenbar gewordenen Missständen im Profifußballbetrieb berät, überrascht. „Wir haben von diesem Treffen aus der Presse erfahren“, sagte Taskforce-Mitglied Helen Breit von der Faninteressensgemeinschaft „Unsere Kurve“.

Man kenne auch die Agenda und Intention dahinter nicht. „Hier sehen wir die Initiatoren in der Pflicht, Aufklärung zu betreiben - Überschneidungen mit der Taskforce müssen transparent gemacht werden“, forderte sie. „Für uns Fans ist klar: Wir brauchen eine deutlich gleichmäßigere Verteilung der TV-Gelder und grundlegende Reformen für einen nachhaltigen und basisnahen Profifußball.“

Die Ultras des VfB Stuttgart begrüßen in jedem Fall die Position ihres Vereins in der Diskussion um die Neuverteilung der TV-Gelder. Mit einem Spruchband in der leeren Mercedes-Benz-Arena bekräftigten sie am Samstag ihren Standpunkt.

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Auf ihrer Homepage schob das „Commando Cannstatt 97“ am Montag hinterher: „Uns geht es darum aufzuzeigen, dass die DFL hier ein wirksames Instrument zur Gestaltung einer anderen Zukunft des Profifußballs in der eigenen Hand hat. Den vollmundigen Ankündigungen von Veränderungen und Wandel müssen jetzt Taten folgen, die Verteilung der TV-Gelder ist eine erste Gelegenheit dazu.“

Auch DFB und DFL wurden nicht eingeladen

Bayer Leverkusens Club-Chef sieht abgesehen von den TV-Geldern eine ganze Reihe „sehr bedeutender Themen für die Verantwortlichen innerhalb der Bundesliga“, sagte Fernando Carro und betonte: „Dialog ist wichtig, eine größtmögliche Einigkeit auch. Dazu wollen wir als Bayer 04 beitragen und haben dieses richtungsweisende Treffen mit vorangetrieben.“ Weder die Deutsche Fußball Liga (DFL) noch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wurden nach Frankfurt eingeladen.

Der frühere Fußball-Profi Michael Rummenigge hält es für richtig, dass sein Bruder die Initiative ergriffen und zum direkten Gespräch anstatt zur Schaltkonferenz gebeten hat. „Die Bundesliga ist das Zugpferd für die Nationalmannschaft, für den DFB und die DFL. Und die Vereine bestimmen darüber. Das muss man verstehen“, sagte er der ARD-Sportschau. Wie Augsburg, Bielefeld, Mainz und Stuttgart, „die so einen kleinen Stuhlkreis“ gebildet hätten, die Fernsehgelder zukünftig verteilen wollten, findet er bedenkenswert: „Deshalb sind sie wohl nicht eingeladen.“

Die weiteren Zukunfts- und Krisenthemen

Der ausgewählte „Frankfurter Kreis“ wird sich nicht nur mit monetären Problemen beschäftigen, sondern auch mit anderen Zukunfts- und Krisenthemen. Es dürfte um das Vorgehen in der Corona-Krise ebenso gehen wie um die aktuelle Situation beim DFB inklusive dem Konflikt zwischen Präsident Fritz Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius.

Ein Topthema wird wohl auch der für Ende Juni 2022 angekündigte Rückzug von DFL-Chef Christian Seifert und die Suche eines Nachfolgers werden. Allerdings: Über den neuen Boss entscheidet der Aufsichtsrat der DFL - und hat dafür noch fast zwei Jahre Zeit.

Für Michael Rummenigge ist es aber verständlich, dass die Bundesliga und sein Bruder Karl-Heinz auch da ein Wort mitreden wollen. „Das Treffen in Frankfurt ist von meinem Bruder ausgegangen, der die Entwicklung des Fußballs ja seit Jahren verfolgt, beeinflusst und maßgeblich mit prägt“, sagte er. „Da muss man dafür sorgen, dass dort adäquate Leute am Rudern sind.“