VfB Stuttgart

Cacau zum Tod von George Floyd: „Jeder Protest gegen Rassismus ist absolut korrekt und nicht zu bestrafen“

Cacau_0
Cacau zum Tod von George Floyd: "Es ist unfassbar." © ZVW/Alexandra Palmizi

Der ehemalige Fußball-Nationalspieler und VfB-Stürmer Cacau ist entsetzt über den Tod des US-Amerikaners George Floyd nach einem Polizei-Einsatz und hat Proteste in der Bundesliga gelobt. Er sei „zutiefst betroffen“, sagte der Integrationsbeauftragte des DFB den Stuttgarter Nachrichten: „Es ist unfassbar, dass so etwas geschehen kann.“ Nach dem Tod von Floyd nach einem Polizeieinsatz in Minneapolis hatte es am Wochenende in den USA neue Proteste gegeben. Via Twitter meldete sich am Montag auch Claus Vogt, der aktuelle Präsident des VfB Stuttgart, zu Wort:

Zu den Protestaktionen in der Bundesliga durch den Schalker Fußball-Profi Weston McKennie, Marcus Thuram (Mönchengladbach) sowie den Dortmundern Jadon Sancho und Achraf Hakimi sagte Cacau: „Jeder sollte seine Meinung und seinen Protest frei äußern dürfen – auch auf dem Fußballplatz. Und wenn man sich gegen Rassismus positioniert und sich mit einem Opfer solidarisiert, dann ist das zu 100 Prozent richtig.“

Warum den Bundesliga-Profis ein Ermittlungsverfahren droht

Dennoch droht den Profis ein Ermittlungsverfahren. In den Regeln des Deutschen Fußball-Bundes heißt es unter anderem, dass die Spieler keine Unterwäsche mit „politischen, religiösen oder persönlichen Slogans“ zeigen dürfen. Eine harte Strafe droht offensichtlich aber nicht. „Ich habe nicht den geringsten Zweifel daran, dass der Kontrollausschuss das Thema mit Besonnenheit und Augenmaß behandeln wird“, sagte Hans E. Lorenz, der Vorsitzende des DFB-Sportgerichts, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Auch Cacau plädiert für Nachsicht: „Es ist ja eindeutig klar, dass es hier aus moralischer Sicht keine zwei Meinungen darüber geben darf. Jeder Protest gegen Rassismus ist absolut korrekt und nicht zu bestrafen.“

Bisher gab es in solchen Fällen in Deutschland auch keine Sperren oder hohe Geldstrafen. „In der Vergangenheit war es üblicherweise so, dass die betroffenen Spieler vom Kontrollausschuss ermahnt wurden“, sagte der 69 Jahre alte Lorenz. Die Fälle könnten theoretisch vor dem DFB-Sportgericht landen, zunächst einmal befasst sich aber der Kontrollausschuss unter dem Vorsitz von Anton Nachreiner damit.

2014 gab es ähnliche Proteste durch den damaligen Kölner Anthony Ujah, der eine Ermahnung vom DFB erhielt. Verbandspräsident Fritz Keller hatte Verständnis und „großen Respekt“ für die Aktionen vom Wochenende geäußert. „Ob und welche Sanktionen die Solidaritätsbekundungen der Spieler nach sich ziehen werden, muss der DFB-Kontrollausschuss klären“, hieß es vom Verband weiter. Es solle festgestellt werden, „ob das Spiel und das Spielfeld der richtige Ort für diese Handlungen sind“, sagte DFB-Vizepräsident Rainer Koch.

FIFA will "gesunden Menschenverstand"

  • Solidaritätsgesten von Fußballern in Zusammenhang mit dem Tod des schwarzen US-Amerikaners George Floyd sollen nach dem Wunsch der FIFA ungestraft bleiben.
  • Der Fußball-Weltverband sprach sich in einer Stellungnahme dafür aus, dass in diesem Zusammenhang «gesunder Menschenverstand» genutzt werde und die Umstände berücksichtigt werden, berichtete die US-Nachrichtenagentur AP am Montag (Ortszeit).
  • Die FIFA schrieb demnach auch, dass sie "die Tiefe der Gefühle und Bedenken, die viele Fußballer angesichts der tragischen Umstände des Falles George Floyd zum Ausdruck bringen", verstehe.