Aktuelle Fallzahlen des RKI

Corona-Höchstwerte: 29.875 Neuinfektionen und 598 Tote

Steigende Infektionszahlen
Fast 30.000 Neuinfektionen sind binnen 24 Stunden an das Robert Koch-Institut übermittelt worden. Foto: Federico Gambarini/dpa © Federico Gambarini

Berlin (dpa) - Die Zahlen der gemeldeten Corona-Neuinfektionen und Todesfälle in Deutschland binnen eines Tages haben neue Höchststände erreicht. Die Gesundheitsämter übermittelten innerhalb von 24 Stunden 29.875 neue Infektionen mit dem Virus Sars-CoV-2, wie aus Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) von Freitagmorgen hervorging.

Das sind über 6000 mehr als am Vortag, als mit 23.679 Fällen ebenfalls ein Rekord erreicht worden war. Außerdem meldete das RKI am Freitag mit 598 neuen Todesfällen den zweiten Höchstwert binnen kurzer Zeit. Der bisher höchste Tagesstand von 590 Toten war am Mittwoch erreicht worden. Angesichts dieser Entwicklung forderten Intensivmediziner rasche durchgreifende Maßnahmen.

Die Zahl der täglichen Todesfälle war zuletzt tendenziell gestiegen, was nach der starken Zunahme der Neuinfektionen erwartet worden war. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 20.970.

Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie sagte zur drastischen Zunahme der Neuinfektionen um 6000 Fälle: «Der große Anstieg von gestern auf heute kann zum einen technische Gründe haben, wie Übermittlungsverzögerungen zwischen Laboren und Gesundheitsämtern. Aber klar haben wir auch einen echten Anstieg, der in diesem Fall getragen sein muss von einem Gesamt-Anstieg im Land.»

Eine RKI-Sprecherin sagte, grundsätzlich seien Zahlen einzelner Tage nicht geeignet, um daraus eine Entwicklung abzulesen. Das RKI führe täglich die Meldedaten aus den Ländern zusammen, dabei könne es zu Abweichungen kommen, etwa weil einzelne Länder Zahlen verzögert meldeten.

Die Sprecherin betonte, es komme vor allem auf die 7-Tage-Inzidenz an, also die gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. Diesen Wert bezifferte das RKI am Freitag mit 156 - ebenfalls ein Höchststand. Zu Beginn des Teil-Lockdowns im November waren es um die 120. Bund und Länder wollen erreichen, dass es weniger als 50 werden - so könnten Gesundheitsämter Infektionsketten wieder nachverfolgen.

Allerdings unterscheidet sich die Inzidenz zwischen einzelnen Bundesländern erheblich. Mit nun 313 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen hat Sachsen den mit Abstand höchsten Wert - vor Thüringen (195) und Bayern (188). Die niedrigsten Werte haben Schleswig-Holstein (68), Mecklenburg-Vorpommern (71) und Niedersachsen (79). Bei den Landkreisen hatten die höchsten 7-Tage-Inzidenzen am Freitag Regen in Bayern mit 575 und Bautzen in Sachsen mit 515.

Nach Angaben der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) wurden am Freitag 4432 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen behandelt - knapp 100 mehr als am Vortag. 57 Prozent von ihnen wurden invasiv beatmet.

Divi-Präsident Uwe Janssens forderte rasche Entscheidungen für zusätzliche bundesweite Corona-Beschränkungen. Jeder weitere Tag ohne durchgreifende und nachhaltige Lockdown-Maßnahmen koste Menschenleben. Selbst ein sofortiger Lockdown würde die Zahlen erst in zwei bis drei Wochen deutlich sinken lassen, sagte er. «Ein Zögern und Warten auf Weihnachten ist schier unverantwortlich.»

Insgesamt zählte das RKI seit Beginn der Pandemie 1.272.078 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland (Stand: 11.12., 00.00 Uhr). Nach Schätzungen sind rund 942.100 Menschen inzwischen genesen.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Donnerstag bei 1,03 (Vortag: 0,99). Das heißt, dass 100 Infizierte rechnerisch 103 weitere Menschen anstecken. Der Wert schwankt seit einigen Wochen um 1 herum und bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.

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