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Dänische Fußballfans dürfen wieder in die Stadien: Ein Vorbild für die Bundesliga?

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Geisterspiele auf lange Sicht hält DFB-Chefmediziner Tim Meyer nicht für wahrscheinlich und macht den Fans damit zumindest ein klein wenig Hoffnung auf eine Rückkehr in die Arenen. © Danny Galm

Die Spiele der dänischen Superliga können wieder vor mehr Zuschauern stattfinden. Die dänische Regierung teilte am Dienstag (30.06.) mit, dass der Abstand zwischen den Fußballfans in den Stadien unter freiem Himmel künftig nur noch einen Meter betragen müsse. Familienmitglieder und andere enge Verwandte könnten nebeneinandersitzen. Pro Abschnitt sollten sich aber nicht mehr als 500 Zuschauer befinden. Möglichst alle sollten sitzen. In einer Pressemitteilung sagte Kulturministerin Joy Mogensen: „Die Fans für alle Superliga-Spiele zurückzubekommen - und die Hektik und Freude der Jungs zu spüren - ist sowohl fantastisch als auch ein wichtiger Bestandteil des Superliga-Fußballs.“

Drei Spiele der Superliga wurden bereits testweise mit mehr als 500 Zuschauern ausgetragen. Aufgrund der positiven Erfahrungen öffne man nun für weitere, so die Ministerin. Der FC Kopenhagen kündigte an, dass er den Rest der Saison vor bis zu 10 500 Zuschauern werde spielen können. Ist das dänische Modell ein Vorbild für die Bundesliga?

Taskforce-Leiter Tim Meyer: „Volle Stadien, das wird noch dauern“

Nach dem Ende der Corona-Saison steht die Bundesliga vor einem Sommer der Ungewissheit. Niemand weiß, wann die Spielzeit 2020/21 startet und unter welchen Rahmenbedingungen. Geisterspiele als Normalbetrieb? „Natürlich muss sich ein Betrieb wie die Bundesliga Gedanken über die nächste Saison machen“, sagte Taskforce-Leiter Tim Meyer Anfang der Woche in einem dpa-Interview. „Wir haben das Konzept im April in Kenntnis der damaligen Pandemielage entwickelt. Wir wissen aber nicht, wie sie sich weiter entwickeln wird, Stichwort zweite Welle. Es muss ein Konzept mit Szenarien geben, das die Aktivität der Covid-19-Pandemie berücksichtigt und auf sie entsprechend reagiert.“

Tim Meyer
Tim Meyer, Chefmediziner des DFB, hat mit einer Task Force ein Corona-Konzept für Geisterspiele erarbeitet. Foto: Christian Charisius/dpa © Christian Charisius


Wie DFL-Boss Christian Seifert rechnet auch der DFB-Chefmediziner nicht mit einer schnellen Rückkehr zu der Normalität vor Corona. Geisterspiele auf lange Sicht hält der 52-Jährige allerdings nicht für wahrscheinlich und macht den Fans damit zumindest ein klein wenig Hoffnung auf eine Rückkehr in die Arenen. „Ich bin schon zuversichtlich, dass wir einen Impfstoff bekommen werden, der wieder volle Stadien erlaubt. Aber das wird noch dauern“, sagte Meyer.

„Es ist klar, dass am Anfang keine vollen Stadien denkbar sind“

Bei der schrittweisen Öffnung müsse vor allem der Aspekt des Infektionsschutzes für die gesamte Bevölkerung beachtet werden. „Es ist klar, dass am Anfang keine vollen Stadien denkbar sind. Die Frage lautet: Wie kann man das abstufen? Da gibt es dann viele organisatorische Faktoren zu berücksichtigen“, sagte Meyer und betonte: „Es muss alles machbar bleiben. Ein Konzept mit dem Aufwand, wie es jetzt für diese neun Spieltage in der Bundesliga gefahren wurde, kann man keine Saison lang durchhalten.“ Das gilt auch für die Umsetzung der strengen Verhaltensregeln für die Profis, bei der wohl nicht nur Union Berlins Geschäftsführer Oliver Ruhnert Probleme erwartet. „Wir werden die Jungs nicht anhalten können, sich so zu verhalten. Wir können sie nicht einsperren. Platz, Wohnung, Platz wird nicht funktionieren. Das kannst du über eine Saison von Spielern nicht verlangen“, sagte der 48-Jährige. Schon der Sommerurlaub wird Aufschluss darüber geben, wie die Profis mit den neuen Freiheiten umgehen.

Prof. Dr. Tim Meyer

  • Prof. Dr. Tim Meyer (52) ist Leiter des Instituts für Sport- und Präventivmedizin der Universität des Saarlandes in Saarbrücken.
  • Er ist Chef-Mediziner des DFB und leitet in der Corona-Krise die "Taskforce Sportmedizin/Sonderspielbetrieb" der DFL.
  • Seit 2001 gehört der gebürtige Niedersachse zum Ärzteteam der deutschen Nationalmannschaft. Er war bei etlichen großen Turnieren im Einsatz, auch beim WM-Titelgewinn 2014 in Brasilien.
  • Seit Juli 2019 ist Meyer auch Vorsitzender der Medizinischen Kommission der UEFA.