VfB Stuttgart

Der Aufsteiger fremdelt noch

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Fußball Borussia Mönchengladbach vs. VfB Stuttgart_0
VfB-Coach Hannes Wolf im Gespräch mit Abwehrspieler Dennis Aogo. © Danny Galm
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Torhüter Ron-Robert Zieler beklagte nach der Niederlage in Gladbach die mangelnde Durchschlagskraft der VfB-Offensive.
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VfB-Cheftrainer Hannes Wolf hat die Mannschaft taktisch weiterentwickelt.

Mönchengladbach.
Nach dem Abpfiff gab’s mal wieder viel Lob vom Gegner, aber keine Punkte fürs Konto. „Stuttgart hat das stark gemacht. Die defensive Ausrichtung mit der Kontertaktik war nicht einfach zu bespielen“, lobte Gladbachs Nationalspieler Lars Stindl. Dem pflichtete Mittelfeldspieler Denis Zakaria bei: „Stuttgart war stark in der Defensive, wir haben in der ersten Halbzeit keine Lösung gefunden.“ 

Reschke: „Das sind alles dicke Brocken“

Dennoch stand unterm Strich ein letztlich verdienter 2:0-Erfolg der Borussia. Gladbachs Brasilianer Raffael entschied die Partie mit einem Doppelpack (57. und 74.) zu Gunsten der „Fohlen“.

Der Aufsteiger fremdelt noch in dieser Saison. Die bisherigen drei Auswärtspartien (in Berlin, Gelsenkirchen und Mönchengladbach) gingen allesamt verloren. VfB-Sportvorstand Michael Reschke relativierte die dürftige Auswärtsbilanz seiner Mannschaft nach der Partie im Borussia-Park: „Wir müssen uns auch fragen, gegen wen wir bisher auswärts gespielt haben. Das sind alles dicke Brocken.“

Torhüter Zieler vermisste den „letzten Punch in der Offensive“

„Ich denke wir können viel Gutes mitnehmen“, sagte Abwehrspieler Timo Baumgart, „aber unterm Strich wäre es jetzt schon mal schön, auswärts zu punkten.“ Über weite Strecken zeigte der Aufsteiger am Niederrhein eine gute Partie – was fehlte war laut Torhüter Ron-Robert Zieler allerdings „der letzte Punch in der Offensive.“

Zwar hatten die Hausherren gegen den VfB mehr Ballbesitz (56 Prozent) und eine leicht bessere Zweikampfquote, doch die besseren, weil klareren Torchancen, hatte der Aufsteiger aus dem Schwabenland.

Wolf: „Wir haben bis zum Schluss gefightet“

Elf Mal schossen die Stuttgarter aufs Gladbacher Tor - die Hausherren nur neun Mal. Letztlich scheiterten die Stuttgarter Offensivbemühungen am eigenen Unvermögen oder am aufmerksamen Borussen-Keeper Tobias Sippel. Nach dem Doppelpack von Gladbachs Raffael drehte der VfB noch einmal auf und brachte die „Fohlen“-Defensive gleich mehrfach in Bedrängnis.

„Leider ist uns der Anschlusstreffer nicht gelungen, sonst wäre es noch eine enge Kiste geworden“, bemerkte Stürmer Simon Terodde berechtigterweise an. Trainer Wolf lobte seine Mannschaft für den „mutigen“ Auftritt: „Wir haben bis zum Schluss gefightet.“

Hannes Wolf hat die Mannschaft taktisch weiterentwickelt

Der Matchplan des Trainers ging zwar dieses Mal nur zum Teil auf, dennoch hat Wolf die Mannschaft in seiner einjährigen Amtszeit taktisch weiterentwickelt. Setzte der 36-Jährige in der zweiten Liga noch auf ein 4-2-3-1-System, so agierten die Schwaben in den vergangenen drei Bundesliga-Spielen in einem taktisch anspruchsvolleren 3-4-2-1-System (bei gegnerischem Ballbesitz: 5-2-2-1-System).

Das neue Stuttgarter Spielsystem ist eine offensivere Variante des klassischen 5-3-2-Systems: Die fünf Spieler vor der Abwehr können dabei durch kluges Positionsspiel das Zentrum versperren. Geht der Ball raus auf den Flügel, verschiebt der VfB kompakt als Block. Der Außenverteidiger löst sich aus der Abwehr und macht von vorne Druck auf den Ball; dahinter bleibt eine Viererkette zur Absicherung.

Es fehlten Kreativität und Durchschlagskraft

Zudem kommt den spielstarken Innenverteidigern Baumgartl und Pavard und der Doppelsechs in diesem System eine wichtige Rolle im Spielaufbau zu. Für die Taktik-Blogger von spielverlagerung.de ist Wolfs neues System gar eine „mittelgroße Fußballrevolution“. Was die Schwaben aber bisher noch vermissen lassen, sind Kreativität und Durchschlagskraft im Spiel nach vorne.

Am kommenden Samstag gilt es im Heimspiel gegen den FC Augsburg (15.30 Uhr/ZVW-Liveticker) eine bessere Balance zwischen defensiver Stabilität und Mut zum Risiko in der Offensive zu finden.

Offenbar fällt das den Roten in der heimischen Arena leichter als in der Fremde. Zuhause sind die Schwaben im Kalenderjahr 2017 noch ungeschlagen, besiegten Mainz (1:0) und Wolfsburg (1:0) und kassierten noch keinen Gegentreffer.