VfB Stuttgart

Der Idealist wird zum Pragmatiker - zumindest ein bisschen

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VfB-Cheftrainer Tim Walter. © ZVW/Danny Galm

Hamburg.
Mit dem 2:6-Debakel in der Liga konfus und teilweise ohne ohne Konterabsicherung. 

Umstellungen bringen Stabilität

Trainer Tim Walter war zwar nicht fundamental von seiner Ballbesitz-Philosophie abgewichen, hatte seine taktische Grundordnung allerdings der aktuellen Drucksituation angepasst. „Wir müssen mal ins Spiel bringen, mit was für einer Hypothek wir hier angereist sind“, merkte Sven Mislintat an.

Vor allem die Routiniers Holger Badstuber und Gonzalo Castro, die in der Abwehr für Maxime Awoudja und Emiliano Insua ran durften, stabilisierten die Mannschaft merklich. Auch die Umstellung auf eine etwas defensivere 4-3-2-1-Grundordnung wirkte sich positiv aus. Der HSV tat sich schwer und kam anders als noch beim Schützenfest am Samstag kaum zu nennenswerten Torchancen. 

Der selbstbewusste Cheftrainer der Schwaben zeigt sich also keineswegs als kompromissloser Sturkopf à la Alexander Zorniger, sondern vielmehr als lernwilliger Fußballlehrer, der auch bereit ist, seine Philosophie den äußeren Umständen anzupassen, ohne dabei seine Prinzipien komplett über Bord zu werfen. Schließlich steht für Tim Walter über allem der unbändige Hunger nach Erfolgen. 

Der VfB belohnt sich in der Verlängerung

„Walter ist Idealist und kein Pragmatiker“, schreibt der Taktikexperte Tobias Escher in der aktuellen 11 Freunde-Ausgabe. Den sogenannten „Walterball“ beschreibt er als „spannendstes taktisches Projekt, das der deutsche Fußball aktuell zu bieten hat.“ Dass das System dabei aber nicht zum Selbstzweck erhöht wird, war am Dienstagabend zu sehen. Der Idealist und „Revolutionsführer“ (Escher) Tim Walter wurde so zum Pragmatiker - zumindest ein bisschen. An den dynamischen Positionswechseln im Aufbauspiel, dem hohen Anlaufen der gegnerischen Abwehr und den zahlreichen Ballstafetten im Spiel nach vorne hielt das Walter-Team fest - und wurde dafür letztlich in der Verlängerung mit dem Siegtreffer belohnt. 

„Geh rein und mach ihn“

„Über die Distanz von 120 Minuten betrachtet haben wir uns diesen Lucky Punch verdient“, sagte Sven Mislintat, der seiner Mannschaft „systemisch, individuell und vor allen Dingen von der Mentalität und vom Teamgeist her“ eine deutliche Leistungssteigerung bescheinigte. Matchwinner Hamadi Al Ghaddioui, der in der 114. Minute das goldene Tor erzielte, hofft, dass sich der Pokalerfolg jetzt auch positiv auf die Leistungen in der Liga auswirkt: „Dieser Sieg stärkt unser Selbstbewusstsein.“

Vor seiner Einwechslung und dem kurz darauffolgenden Jokertor gab es für den 29-jährigen Stürmer von Tim Walter übrigens keine komplizierten taktischen Anweisungen, sondern ein simples: „Geh rein und mach ihn.“ Ein netter Randaspekt, der zeigt: Spielysteme, Taktiken und Philosophien hin oder her: Fußball kann manchmal auch ganz einfach sein.


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